1. Startseite
  2. Kassel

Kasseler Wissenschaftler warnt vor der Allmacht des Geldes

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Jürgen Freimann
Jürgen Freimann

Kassel. Den Deutschen geht es wirtschaftlich so gut wie lange nicht mehr, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, viele Unternehmen freuen sich über sprudelnde Gewinne. Banken sind nach der Finanzkrise wieder obenauf.

Für Prof. Jürgen Freimann, früherer Leiter des Fachgebiets Nachhaltige Unternehmensführung, ist das kein Grund zum Jubeln: In seinem neuen Buch „Des Menschen Wolf“ warnt der Wirtschaftswissenschaftler vor der Allmacht des Geldes. Wenn es so weitergehe wie bisher, „laufen wir ins Verderben“, sagt der 68-jährige Professor in Rente.

Freimann hat nicht nur die vielgescholtene Finanzindustrie im Visier, die durch die Erfindung zwielichtiger neuer Wertpapiere die Weltwirtschaft ins Wanken gebracht hat. Fast alle Lebensbereiche seien inzwischen vom Gedanken der Gewinnmaximierung und Kostenreduktion durchdrungen.

Das gelte beispielsweise für die Unternehmen. Von denen wirtschafte nur ein sehr geringer Teil nachhaltig und vorausschauend. Aber auch die Konsumenten machten es mit einer häufig verbreiteten „Geiz ist geil“-Mentalität nicht besser. Dadurch würden die Umwelt geschädigt und Ressourcen verschwendet, auf die künftige Generationen angewiesen seien. „Das Geld gewinnt die Gewalt über uns, indem wir uns ihm unterwerfen“, sagt Freimann.

Die Politik wird nach Ansicht des Wissenschaftlers ihrer Steuerungsaufgabe nicht gerecht. „Politiker dürfen sich nicht dem Diktat der Finanzwelt unterwerfen, was sie jetzt aber tun“, erklärt Freimann. Ein weiteres Beispiel sei die wachsende Zahl von Mini-Jobs, die dazu führten, dass das Rentensystem in absehbarer Zeit in Not gerate. In allen Bereichen sei daher ein Umdenken in Richtung auf mehr Lebensqualität und Nachhaltigkeit nötig. Sonst drohe das gesamte System zusammenzubrechen. Er plädiert: „Wir können und müssen bei uns selbst anfangen.“ (pdi) Foto: Dilling

Jürgen Freimann: Des Menschen Wolf. Wie die Herrschaft der Geldökonomie unser Leben zerstört und was wir dagegen tun können. Metropolis-Verlag, 188 Seiten, 19, 80 Euro.

Auch interessant

Kommentare