Müllheizkraftwerks sonst nicht ausgelastet

Kasseler zahlen für den Müll der Kreisbewohner mit

Modernste Technik ist teuer: Das Kasseler Müllheizkraftwerk erfüllt die neuesten Umweltstandards. Was für die Kasseler Luft gut ist, belastet den Geldbeutel der Bürger. Foto: Ludwig

Kassel. Die Kasseler Müllgebühren sind die höchsten unter den hessischen Großstädten. Das hat eine Erhebung des Landesrechnungshofes aus dem Jahr 2014 ergeben.

Auch wenn die Stadtreiniger den Vergleich anzweifeln, steht fest, dass die Gebühren durch das Kasseler Müllheizkraftwerk (MHKW) nach oben getrieben werden. Wir erklären, warum das so ist.

Das Müllheizkraftwerk (MHKW) verursacht Kosten von 30 Mio. Euro pro Jahr. Für die Refinanzierung werden die Kasseler stärker zur Kasse gebeten als die Bewohner des Schwalm-Eder-Kreises, deren Müll auch im Kasseler MHKW verbrannt wird. Karl-Heinz Schreyer, Geschäftsführer des MHKW, räumt dieses Missverhältnis unumwunden ein.

Die Ursachen für diese ungleiche Kostenverteilung sind in der Vergangenheit zu suchen. Nachdem das Müllheizkraftwerk ab Mitte der 1990er-Jahre ausgebaut wurde, waren dessen Kapazitäten überdimensioniert für die Kasseler Bevölkerung. Ursprünglich sollten nämlich Stadt und Kreis Kassel gemeinsam in Kassel ihren Müll verbrennen. Als die Verantwortlichen im Kreis erfuhren, was dies kosten würde, platzte die geplante Zusammenarbeit.

Also musste die Stadt selbst schauen, wie sie ihre neue Anlage auslastet. Dafür mussten andere Müllanlieferer aus dem Umland gewonnen werden. Dies gelang dem MHKW in den vergangenen Jahren immer besser, sodass die Anlage heute auf Maximallast fährt.

Weil es in Deutschland aber viele freie Kapazitäten in Verbrennungsanlagen gibt und der Transport wenig kostet, konnten sich die Kreise ohne eigenes Müllheizkraftwerk zuletzt aussuchen, wo sie ihren Abfall verbrennen lassen. Entsprechend niedrig waren die Preise, die die Kraftwerke erzielten.

„Der Markt entscheidet über die Preise“, sagt MHKW-Chef Schreyer. Und so zahlen die Anlieferer aus dem Umland weniger pro Tonne als die Kasseler. Laut Rechnungshof sogar nur die Hälfte, Schreyer bestreitet aber, dass der Unterschied so groß ist. Es sei aber richtig, dass die Kasseler quasi die Müllentsorgung anderer Kommunen subventionierten. Dies sei vergleichbar mit Theatern, Museen und Schwimmbädern, die von der Stadt bezahlt und von Kreisbewohnern genutzt würden.

Der Lichtblick

Schreyer sieht im Fall des MHKW aber auch die positive Seite: „Wenn wir beispielsweise den Müll aus dem Schwalm-Eder-Kreis nicht bekommen würden, müssten die Kasseler noch mehr bezahlen. Denn die Kosten fallen so oder so an.“ Dies liege auch an den hohen Umweltstandards, die die Anlage erfülle.

Insgesamt steige das Müllaufkommen in Deutschland. Das liege an der guten Konjunktur und den Flüchtlingen. Zudem zögen mehr Menschen in die Städte, wo wegen der fehlenden Eigenkompostierung allgemein mehr Abfall anfalle. Wenn mehr Müll auf dem Markt ist, steigen auch die Preise, sagt Schreyer.

Weil es mehrjährige Verträge gebe, wirke sich dies nicht sofort aus. „Vielleicht haben wir in ein paar Jahren die Situation, dass es mehr Müll gibt als Kraftwerke. Dann wird es für uns vorteilhaft sein, ein Werk zu haben“, so Schreyer. Für alle anderen werde es dann teurer. 

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