Kurzfilme erinnern an Obdachlosen

Kasselerin drehte Dokumentation über jetzt getöteten Peter J.

Protagonist in Filmserie: Die Kasselerin Dorothea Künnecke hat den Obdachlosen Peter J. ein halbes Jahr mit der Kamera begleitet. Screenshot: nh

Kassel. Am Montag ist der Obdachlose Peter J. aus Kassel tot auf dem Gelände der Elisabeth-Knipping-Schule aufgefunden worden. Jetzt gibt es ein Fahndungsplakat.

Er ist gewaltsam getötet worden, so viel steht fest. Noch hat die Polizei aber keine Erkenntnisse, wer für die Tat verantwortlich sein könnte. Mit einem Fahndungsplakat, auf dem ein Bild des 53 Jahre alten Opfers zu sehen ist, bitten die Ermittler um Mithilfe der Bevölkerung. Die Kripo hat folgende Fragen:

• Wer kann Angaben zu den letzten Aufenthaltsorten machen?

• Wer hatte persönlichen Kontakt zu Peter J.?

• Wer hat in die Nacht zu Montag, 29./30. November verdächtige Beobachtungen im Bereich der Schule gemacht?

Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung in Höhe von 3000 Euro ausgelobt worden.

Bewegende Einblicke in das Leben von Peter J. gewähren die Aufnahmen einer Kasseler Hobbyfilmerin, die im Internet zugänglich sind. Dorothea Künnecke, die als Gemeindereferentin bei der Katholischen Kirche arbeitet, hatte den Obdachlosen ab Herbst 2013 einige Monate begleitet. Daraus entstanden ist eine sechsteilige Kurzfilmreihe mit dem Titel „Life in a box“.

Darin erzählt Peter J., der im Film zum Schutz seiner Identität Berthold L. genannt wird, von seinem Leben auf der Straße. Vom Betteln und dem Sammeln von Dosen und Pfandflaschen, um an ein wenig Geld zu kommen. Auch beim Besuch auf dem Friedhof, wo er am Grab seiner Familie Rosen niederlegt, hat die Filmerin ihn begleitet. Trotz schmalen Geldbeutels hatte er vorher Blumen gekauft.

„Er war ein liebenswürdiger und harmloser Mensch, ohne jegliches Aggressionspotenzial“, erinnert sich Dorothea Künnecke. Umso fassungsloser mache sie, dass er Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Peter J. habe sehr unter seiner Einsamkeit gelitten, erzählt die 49-Jährige. „Sein größter Wunsch war es, einmal zu heiraten.“ Doch das durfte Peter J. nicht mehr erleben.

Hinweise an die Polizei: Tel. 0561/9100.

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