Aufstieg in der Großstädte-Liga

Kassel knackt die Marke von 200.000 Einwohnern - Das sind die Folgen

Immer mehr Menschen leben in Kassel: Zum Jahresende 2015 hat das städtische Melderegister die Zahl von 200 507 Einwohnern verzeichnet. Unser Bild wurde 2014 bei der Casseler Freyheit auf der Oberen Königsstraße aufgenommen. Foto:  Malmus

Kassel. Erstmals seit 1996 hat die Stadt Kassel nach aktuellen Zahlen des Einwohnermelderegisters wieder über 200.000 Einwohner. Wir haben zusammengestellt, in welchen Bereichen sich das Überschreiten dieser Schwelle für die Stadt bemerkbar machen könnte:

Städtevergleiche

Wenn es um Deutschlands gefährlichste und sicherste Städte geht, wird künftig auch Kassel eine Rolle in der politisch-medialen Debatte spielen: Jedes Jahr wertet das Bundeskriminalamt alle regionalen Polizeistatistiken aus und erstellt ein deutschlandweites Kriminalitäts-Ranking. Erst ab 200.000 Einwohner gehen Städte in diese viel diskutierte Betrachtung ein.

Auch für andere Städtevergleiche spielt diese Schwelle eine Rolle - so etwa untersucht die DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe, jährlich die deutschen Städte ab dieser Einwohnerzahl hinsichtlich ihrer Attraktivität als Wirtschafts- und Immobilienstandort. Auch hier dürfte Kassel künftig dabei sein.

Steuereinnahmen

Keine Auswirkungen hat die 200.000-Einwohner-Schwelle nach Auskunft des Hessischen Finanzministeriums auf die Geldsummen, die Kassel im Kommunalen Finanzausgleich bekommt. Laut einem Ministeriumssprecher wird Kassel in dem Umlageverfahren weniger nach der Einwohnerzahl, sondern in seiner Eigenschaft als kreisfreie Stadt mit entsprechend besonderen Aufgaben behandelt - ebenso wie Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und Offenbach. Im Finanzausgleich sei die 200.000er-Marke nur für kreisangehörige Städte bedeutsam. Das Einwohnerwachstum sei gleichwohl „toll für Kassel“, sagte der Sprecher, „denn jeder Einwohner mehr bedeutet grundsätzlich auch mehr Steuergeld für die Stadt.“

Zuschüsse

Bei bestimmten kommunalen Aufgaben kann es sich finanziell günstig auswirken, wenn eine Stadt in der 200.000-Einwohner-Liga spielt. So hat das Bundesbildungsministerium aktuell ein Programm aufgelegt, aus dem Städte und Landkreise Bildungslotsen für Flüchtlinge finanzieren können: Hat eine Stadt mindestens 200.000 Einwohner, bekommt sie die Kosten für zwei Mitarbeiterstellen statt einer erstattet.

Konsum und Kaufkraft

Wo Städte in statistischen Vergleichsgruppen auftauchen, muss sich das wachsende Kassel künftig an Standorten aus der Großstadtklasse messen lassen. Vor einem Jahr war Kassel erstmals bei der bundesweiten Studie „Vitale Innenstädte“ dabei, in der das städtische Angebot aus Sicht der Konsumenten bewertet wird. Bei einer Neuauflage würden als Vergleichsmaßstab Städte ab 200.000 bis zu einer halben Million Einwohner herangezogen - die in der Regel eine weit komplexere Infrastruktur als Kassel haben.

Auch wenn sich das größte deutsche Konsumforschungsinstitut GfK zum Beispiel mit der Kaufkraft der Deutschen beschäftigt, wird ein Vergleich der Städte und Landkreise ab 200.000 Einwohner dargestellt. In dieses Ranking gehört künftig auch Kassel.

Stadtverordnetensitze

An der Zahl von 71 Stadtverordneten im Kasseler Rathaus ändert sich nichts. Laut der Hessischen Gemeindeordnung würde die Stadtverodnetenversammlung erst dann um zehn auf 81 Sitze wachsen, wenn eine Schwelle von 250.000 Einwohnern überschritten wird.

Dies aber ist trotz aller Attraktivität Kassels als Zuzugsstadt auf Jahrzehnte gesehen unwahrscheinlich.

Hintergrund: Landesstatistik ist maßgeblich für die Einwohnerzahl

Die Zahl von 200.507 Einwohnern zum vergangenen Jahreswechsel beruht auf dem Melderegister der Kasseler Stadtverwaltung. Amtlich ist diese Zahl allerdings (noch) nicht, denn dafür ist allein die Hessische Landesstatistik maßgeblich.

Das Statistische Landesamt hat ein anderes Zählsystem als die Stadt: Während das Rathaus punktuell in seinen Daten nachschaut, wer alles in Kassel mit Erstwohnsitz gemeldet ist, legen die Hessen-Statistiker die Ergebnisse aus der jüngsten Volkszählung von 2011 zugrunde. Seither wird für Kassel jedes Jahr hinzugezählt, wer in der Stadt geboren oder zugezogen ist. Und abgerechnet werden die Wegzüge und Sterbefälle. Daher kommen Stadt und Land zu etwas unterschiedlichen Zahlen.

Zum Ende 2014 hatte Kassels amtliche Einwohnerzahl - also jene des Statistischen Landesamts - um 2345 Menschen niedriger gelegen, als das städtische Melderegister auswies. Die offizielle Zahl der Kasseler Einwohner zum Jahreswechsel 2015/16 werde das Statistische Landesamt im kommenden August veröffentlichen und damit für gültig erklären, sagte eine Sprecherin.

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