Vorfälle können bei neuer Informationsstelle gemeldet werden

Kassels Juden beklagen immer mehr Übergriffe

Kassel. Juden sind in Kassel offenbar häufiger antisemitischen Übergriffen und Pöbeleien ausgetzt als bisher bekannt.

Eine neue Informationstelle will judenfeindliche Vorfälle in Kassel und Umgebung künftig dokumentieren.

Sie wurde am Sara-Nussbaum-Zentrum für Jüdisches Leben eingerichtet, das Ilana Katz, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Kassel, vergangenes Jahr ins Leben gerufen hatte. Die Kasseler Gemeinde hat etwa 830 Mitglieder.

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Anlass für die Gründung der Informationsstelle seien mehrere antisemitische Übergriffe in Kassel im vergangenen Herbst gewesen. Dabei sollen Juden bedroht, köperlich angegangenen und beschimpft worden sein, unter anderem mit den Worten „Ab in die Gaskammer, Jude“.

Bisher gelange nur ein kleiner Teil solcher Vorfälle an die Öffentlichkeit, sagte Martin Sehmisch, Leiter der Informationsstelle Antisemitismus Kassel. Viele Betroffene hätten Hemmungen, zur Polizei zu gehen. Eine Meldung bei der Informationsstelle ersetze keine Strafanzeige, betonte er. Gleichwohl wolle man dazu beitragen, „dass alltäglicher Antisemitismus mehr zur Kennntnis genommen wird.“

Über einen Fragebogen, der online abrufbar ist, sowie bei vier Anlaufstellen in Kassel können Opfer und Zeugen antisemitische Vorfälle melden. Die Informationen würden nur veröffentlicht, wenn die Betroffenen einverstanden seien. „Wir wollen keine Anklagebehörde sein“, sagte Christopher Willing, Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde Nordhessen (Felsberg), die an dem Projekt beteiligt ist. „Aber wir wollen, dass Antisemitimus benannt und diskutiert wird.“

Beim Polizeipräsidium Nordhessen ist im vergangenen Jahr lediglich ein Fall mit antisemitischem Hintergrund aktenkundig geworden. Auf der Internetseite der Melsunger Ditib-Moschee hatte deren Internetbeauftragter judenfeindliche Zitate veröffentlicht.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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