Fachverband rechnet mit Leerstand in Heimen

Es kommen kaum noch jugendliche Flüchtlinge nach Kassel

Kassel. Noch vor wenigen Monaten wurde hängeringend nach Heimplätzen für jugendliche Flüchtlinge gesucht, die ohne ihre Familie hierher gekommen sind.

Inzwischen müssen Stadt und Kreis Kassel kaum noch unbegeleitete minderjährige Flüchtlinge aufnehmen. Experten aus der Jugendhilfe rechnen damit, dass es bald Leerstand in den Einrichtungen geben könnte.

Seit Jahresbeginn sind 123 Jugendliche in Kassel angekommen, lediglich 19 davon wurden dauerhaft aufgenommen. Der Großteil wurde an andere Bundesländer weiterverteilt. Im Landkreis gab es zuletzt gar keine Neuzugänge. Zum Vergleich: 2015 hat die Stadt 300 unbegleitete Flüchtlinge aufgenommen, der Landkreis 200.

Hintergrund ist ein neues Verteilsystem, das seit November gilt. Ähnlich wie bei erwachsenen Asylbewerber werden die Jugendlichen dabei nach einem festen Schlüssel auf die Länder und dort auf die Kommunen verteilt. Vorher galt die Grundregel: Wo UMF ankommen, werden sie aufgenommen.

Da Kassel in der Vergangenheit vergleichsweise viele Jugendliche untergebracht hat, ist das Soll bereits erfüllt. Insgesamt kümmert sich das städtische Jugendamt aktuell um 266 junge Flüchtlinge. Der Landkreis betreut 201 Fälle. Noch sind die Einrichtungen für junge Flüchtlinge ausgelastet. Der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (Bumf), der diese Woche in Hofgeismar getagt hat, geht aber davon aus, dass es ab dem Sommer Überkapazitäten geben könnte. Die Träger, die in der Hochphase Heimplätze geschaffen haben, blieben dann auf ihren Kosten sitzen, sagt Bumf-Vorstand Henning Wienefeld.

Diese Sorge teilt Kassels Jugendamtsleiterin Judith Osterbrink nicht. Durch den Rückgang sei man in der Lage, Notunterkünfte aufzulösen. Leerstand in regulären Jugendhilfe-Einrichtungen zeichne sich derzeit aber nicht ab.

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