Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP) aus Kassel wehrt sich gegen Kritik

Kein Bericht zur Sucht

In Erklärungsnot: Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte und Vorsitzende der Kasseler FPD. Archivfoto: Fischer

Kassel. In dieser Rubrik steht niemand gern. Die Bild-Zeitung hat Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung und Vorsitzende der Kasseler FDP, in ihrer Montagsausgabe zur Verliererin des Tages gekürt. Der Grund: Dyckmans will mit einer Tradition brechen und in diesem Jahr keinen Drogen- und Suchtbericht veröffentlichen.

„Schlaftablette in der Bürokratie“ hatte die Boulevard-Zeitung dazu geurteilt. „Das ist nicht schön, aber damit muss man in Berlin leben“, sagt Dyckmans über die Rubrik in der Bild. Inhaltliche Kritik weist sie gleichzeitig zurück. Sie ist erst seit November 2009 im Amt und müsste einen Bericht vorlegen, der im wesentlichen die Arbeit ihrer Vorgängerin Sabine Bätzing (SPD) bilanziert.

Stattdessen wolle sie sich darauf konzentrieren, schnellstmöglich eine nationale Strategie zur Suchtbekämpfung vorzulegen, sagte Dyckmans auf Anfrage. Dieser Bereich sei zuletzt etwas vernachlässigt worden, der alte Aktionsplan stamme noch aus dem Jahr 2003. Medikamentensucht sei darin nur am Rande behandelt worden, Online-Sucht komme gar nicht vor, sagt Dyckmans. Zudem sei dort mit alten Zahlen operiert worden. Die Drogenbeauftragte kündigte an, etwas Neues auf die Beine zu stellen.

Die SPD-Bundestagsfraktion sieht das als Ausrede. In einer Pressemitteilung kritisiert die zuständige Fachpolitikerin, Angelika Graf, Dyckmans bisherige Arbeit als „nichtssagend und inhaltsleer“. Im Vergleich zu ihrer Vorgängerin sei die FDP-Politikerin regelrecht abgetaucht.

Sollte sie tatsächlich keinen Bericht vorlegen, verpasse Dyckmans nicht nur die Gelegenheit, auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen, so Graf. So helfe sie nicht, „neue Erkenntnisse zu einer verbesserten Aufklärung und Prävention in der Drogen- und Suchtpolitik“ zu gewinnen.

Auf eine SPD-Anfrage dazu im Gesundheitsausschuss habe Dyckmans nicht geantwortet. Für Graf ist das der Beleg, „dass eine Strategie der Bundesregierung auf dem Gebiet der Drogen- und Suchtpolitik nicht existiert“. Dyckmans werde nicht konkret, warte ab und versuche, Zeit zu gewinnen. „Sie agiert verantwortungslos, wenn sie weiterhin durch Nichtstun glänzt, nur um der schwarz-gelben Streitkoalition weiteren Ärger zu ersparen“, kritisiert Graf.

Von Claas Michaelis und Ulrike Pflüger-Scherb

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