Hoffnung auf außergerichtliche Einigung mit Bank für Sozialwirtschaft

Kein Gebot für frühere Druckerei Schanze in Wehlheiden

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Die Zukunft ist immer noch ungewiss: Bei einem Zwangsversteigerungstermin vor dem Kasseler Amtsgericht wurde am Donnerstagmorgen kein Gebot für die ehemalige Druckerei Schanze abgegeben.  

Kassel. Die ehemalige Druckerei Schanze in Wehlheiden ist am Donnerstagmorgen vor dem Kasseler Amtsgericht bei einer Zwangsversteigerung nicht unter den Hammer gekommen.

Zwar waren um die 30 Menschen zu dem Termin im Gerichtsgebäude an der Friedrichsstraße erschienen, aber die meisten wohl nur aus reiner Neugierde.

Schuldner in dem Zwangsversteigerungsverfahren ist die Lohfeldener Immobilienmaklerfirma Kruse, die das Gelände im 2010 erworben und saniert hatte. Gläubiger sind die Bank für Sozialwirtschaft in Köln, die Stadt Kassel und das Land Hessen sowie Firmen, die noch auf ihr Geld warten. Die ersten drei genannten Gläubiger betreiben das Vollstreckungsverfahren.

Die Rechtspflegerin hatte vor Beginn der Bietungsstunde mitgeteilt, dass bei diesem Termin mindestens 2,7 Millionen Euro (also 5/10 des festgesetzten Verkehrswert von 5,4 Mio. Euro) geboten werden müssten. Eine halbe Stunde hatten die Anwesenden Zeit, um ein Gebot abzugeben. Die Bietungszeit lief ab, ein Gebot blieb allerdings aus. Offenbar habe sich niemand getraut, sagte die Rechtspflegerin, die das Verfahren daraufhin einstellte und verkündete, dass es in vier bis fünf Monaten einen neuen Termin für eine Zwangsversteigerung gebe.

Allerdings gibt es bis dahin auch die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung zwischen der Bank für Sozialwirtschaft und möglichen Interessenten. „Letztlich geht es doch nur um Geld“, sagte der Anwalt Jürgen Ernst, der das Kreditinstitut vertritt. Der Bank sei es egal, ob die Immobilie vor Gericht oder außergerichtlich verkauft werde.

Der Geschäftsmann Harald Eisenkolb aus Kassel (Firma EGI Eisenkolb Grundstücks-Immobilien mit Sitz in Heusenstamm) hofft auf eine außergerichtliche Einigung mit der Bank für Sozialwirtschaft. Die Firma EGI habe bereits seit vier Wochen einen Notarvertrag über den Kauf der Immobilie und eine Vormerkung im Grundbuch, sagt Eisenkolb. Allerdings habe die Zeit bisher nicht ausgereicht, um das Projekt unter Beteiligung aller Gläubiger „fachgerecht abzuwickeln“, sagt der Projektentwickler. Nachdem kein Gebot bei der Zwangsversteigerung abgegeben wurde, habe man nun ausreichend Zeit, um sich einigen zu können und um zu schauen, welche Vorhaben in der Immobilie umsetzbar sind, sagt Eisenkolb.

Falls er sich mit allen Gläubigern einigen könne und die ehemalige Druckerei in seinen Eigentum übergehe, gebe es verschiedene Varianten, was damit geschehen könne. „Eine Flüchtlingsunterkunft ist nicht ausgeschlossen, wir haben aber auch noch andere Optionen.“

Handwerker hoffen noch

Eine außergerichtliche Einigung würde auch Gläubiger Alexander Piir aus Fritzlar freuen. Seine Firma war bei der Sanierung des Gebäudes für die Elektrotechnik zuständig und habe noch 100 000 Euro zu bekommen. Piir hofft, dass er zumindest noch einen Teil der Außenstände reinholen kann.

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