Zuständiger Richter fehlt

Kein Verfahren in Kassel gegen Mehmet Göker?

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Mehmet Göker

Kassel. Gegen den früheren Chef des Versicherungsvermittlers MEG, Mehmet Göker (35), wird es aller Voraussicht nach in Kassel kein Gerichtsverfahren geben.

Das erklärte jetzt der Sprecher des Landgerichts, Dr. Jan Blumentritt, auf Anfrage der HNA.

Das liege vor allem an zwei Tatsachen: Zum einen lebt Mehmet Göker in der Türkei. Damit habe er sich dem Zugriff der deutschen Justiz entzogen. Da es kein Auslieferungsverfahren mit der Türkei gebe, sei der Ex-MEG-Chef dort sicher. „Es würde schwierig sein, hier in Abwesenheit gegen Herrn Göker zu verhandeln“, sagt Blumentritt. Zum anderen habe die zuständige Wirtschaftsstrafkammer beim Landgericht Kassel zurzeit keinen Vorsitzenden Richter.

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Richter Wolf Winter ist befördert worden und ist nun Präsident des Kasseler Amtsgerichts. Dr. Blumentritt: „Wir hoffen, dass diese Vakanz in der Wirtschaftsstrafkammer in den nächsten Monaten behoben werden kann.“ Allerdings: Die Kammer sei überlastet, habe auch jenseits von Göker eine Menge zu tun, erläutert Blumentritt. „Wir stecken darum keine Arbeitskraft in den Fall Göker.“ Blumentritt räumt ein, dass dies eine Situation sei, die „für alle unbefriedigend ist. Das Gericht ist damit sicher nicht glücklich.“ Bei der Kasseler Staatsanwaltschaft, die seit Jahren gegen Mehmet Göker ermittelt, wollte man dies nicht näher kommentieren. Es lägen Anklagen vor, über deren Zulassung das Gericht entscheiden müsse. Man gehe davon aus, dass dies irgendwann geschehen werde, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Dr. Götz Wied.

Aktuell liegt bei Gericht etwa eine Anklage wegen des Beiseiteschaffens von Vermögen. Mehmet Göker war in der Vergangenheit bereits rechtskräftig verurteilt worden. So musste er eine Geldstrafe von 720.000 Euro zahlen und bekam wegen Untreue eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten.

Von Frank Thonicke

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