Mietvertrag aufgelöst

Keine Lesungen und Konzerte mehr: Aus für das „Haus“

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Sie müssen draußen bleiben: Nach 23 Jahren mussten die Nutzer und Unterstützer das „Haus“ an der Mombachstraße räumen. Der Mietvertrag war aufgelöst worden, nachdem sich Mieter und Eigentümer nicht über Mieterhöhungen einigen konnten.

Kassel. Ein Haus, das „Haus“ heißt, hat in Kassel schon oft für Verwirrung gesorgt. 23 Jahre lang verbarg sich hinter dem „Haus“ ein nicht kommerzielles Kulturprojekt in der Nordstadt. In dem historischen Gebäude an der Mombachstraße 47 fanden Konzerte, Lesungen und Partys statt. Damit ist seit Ende März Schluss.

Nachdem vor zwei Jahren ein Geschäftsmann aus Bad Hersfeld das 1920 errichtete Gebäude erworben hatte und in der Folge Mieterhöhungen von den Nutzern forderte, wurde der Mietvertrag nun aufgelöst. Auch Vermittlungsversuche durch das Kulturamt der Stadt Kassel scheiterten.

„Rückblickend haben wir den Eindruck, dass die Investoren nicht an konstruktiven Lösungen interessiert waren. Unsere Zugeständnisse in den Verhandlungen waren umfangreich: nochmalige Mieterhöhung, Beteiligung an der Instandsetzung des Gebäudes, Professionalisierung der Kulturarbeit, bis hin zum Kaufangebot“, teilt Sven Lämmerhirt vom Verein Weltsubkulturerbe mit. Der Verein engagiert sich seit 2015 für den Erhalt des „Haus“.

Seit dem Eigentümerwechsel im Jahr 2014 sei von der neuen Vermietungsgesellschaft eine vielfache Mieterhöhung gefordert worden, so Lämmerhirt. In den vergangenen Jahren hätten Privatpersonen die Mietverträge für das „Haus“ geschlossen. Nachdem diese nicht mit dem neuen Eigentümer einig wurden, hätten sie den Vertrag gekündigt. Daraufhin wollte der Verein mit Unterstützung des Kulturamtes einen neuen Vertrag aushandeln. Aber auch diese Gespräche scheiterten.

Der Verein sucht jetzt neue Räumlichkeiten in der Stadt. Die Entwicklungen in der Nordstadt und am alten Standort wollen die Mitglieder weiterhin beobachten. „Wir fühlen uns dem Standort sehr verbunden und haben uns in den letzten Jahren stark für dessen Erhalt engagiert. Wir halten auch zukünftig eine denkmalgerechte Nutzung des um 1920 errichteten Gebäudes für wichtig“, sagt Lämmerhirt. Er schlägt vor, die Stadt solle sich als Käufer um das „Haus“ bemühen und es anschließend Kulturinitiativen vermieten.

Seit dem Wegfall der Kulturfabrik Salzmann und der Ladestraße Nord am Hauptbahnhof gebe es dringenden Raumbedarf für die freie Kulturszene. Immer mehr Orte für niederschwellige Kulturangebote fielen dem Stadtumbau zum Opfer.

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