Mädchen werden auch in Deutschland zur Ehe gezwungen

Kinderehen in Kassel werden zum Problem

Kassel. Die Kinderehe ist in Kassel angekommen. Mit dem Zuzug von Flüchtlingen sind die Behörden häufiger mit der umstrittenen Verheiratung von Minderjährigen konfrontiert.

Das Kasseler Jugendamt hat derzeit mit fünf Fällen von minderjährigen Ehepartnern zu tun, die als Flüchtlinge eingereist sind. Diese minderjährigen Flüchtlinge sind laut Stadt Kassel zwischen 16 und 18 Jahre alt.

Für das Bundesland Hessen gibt es keine offiziellen Zahlen. In Bayern zum Beispiel haben Behörden bis April 161 Fälle von verheirateten Asylbewerbern unter 16 Jahren und 550 von Verheirateten unter 18 registriert. Stefanie Burmester vom Kasseler Mädchenhaus geht aber von ähnlichen Zahlen für Hessen aus. Die Grauzone sei groß, weil Kinderehen nur bekannt werden, wenn die Betroffenen ihren Familienstand bei der Einreise bekannt machen. Einige gingen die Ehe vor einem Imam auch erst in Deutschland ein. Die Mädchen seien zum Teil nur 14 Jahre.

Öffentlich werden diese Familienverhältnisse manchmal erst, wenn ein Gesetzeskonflikt bekannt wird, wie kürzlich in Kassel durch eine Gerichtsverhandlung, bei der der Fall eines syrischen Flüchtlings behandelt wurde, der den 25-jährigen Ehemann seiner 14-jährigen Tochter mit einem Messer angegriffen hatte.

In Deutschland sind Kinderehen nicht grundsätzlich verboten. Eine Heirat ist auch hierzulande ab 16 Jahren erlaubt, wenn der andere Partner volljährig ist und die Eltern des minderjährigen Partners der Heirat zustimmen. Zudem muss das Familiengericht die Ehemündigkeit feststellen. Das Kasseler Familiengericht hatte aber nur zwei solcher Fälle in den vergangenen fünf Jahren zu prüfen.

Werden Kinder im Ausland verheiratet, wird nach der Einreise in Deutschland geprüft, ob die Ehe anerkannt wird. Bei Kindern ab 14 Jahren haben die Gerichte einen Ermessensspielraum.

Hintergrund: Keine Statistik über Kinderehen

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) führt keine Statistiken über Kinderehen, sagte ein Sprecher auf HNA-Anfrage. Werde in Einzelfällen bei der Bearbeitung von Asylverfahren Kinderehen festgestellt, dann werde das Asylverfahren beider Ehepartner getrennt bearbeitet, um auf die besonderen Bedürfnisse der minderjährigen Ehefrau eingehen zu können. Die minderjährige Ehefrau werde von besonders geschulten Mitarbeitern interviewt, die nicht nur über das Verfolgungsschicksal sprechen, sondern auch die Eheschließung zu ergründen versuchen. Bei eventuellen Problemen werde die zuständige Ausländerbehörde verständigt.

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Rubriklistenbild: © dpa

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