Stadt genehmigt beim Hausbau Ausnahmen vom Bebauungsplan

Höher hinaus als andere: Nachbar über Ausnahmeregelung verärgert

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Im Fokus: Dieser Neubau „Am Juliusstein“ ist mit 6,25 Meter deutlich höher als die eingeschossigen Gebäude im Umfeld des Niedrigbauviertels. Eigentlich sind laut Bebauungsplan dort nur 3,50 Meter hohe Häuser erlaubt.

Kirchditmold. Über einen Neubau an der Kirchditmolder Straße „Am Juliusstein“ im Kasseler Stadtteil ist mancher Anwohner verwundert. Seit 1971 gilt für das dortige Wohngebiet ein Bebauungsplan, der nur niedrige Häuser erlaubt.

Die damaligen Verantwortlichen der Stadt wollten vermeiden, dass die Sichtachse auf den Herkules beeinträchtigt wird. Deshalb legten sie fest, dass die Gebäude an ihrer Bergseite nicht höher als 3,50 Meter sein dürfen. Der derzeit entstehende Neubau ist allerdings fast doppelt so hoch. Wie kann es also sein, dass der entsprechende Bebauungsplan (IV/28) bis heute gültig ist, aber die Stadt es dennoch erlaubt, höhere Häuser in dem Wohngebiet zu errichten? Diese Frage stellt sich einer der betroffenen Nachbarn.

Auf HNA-Nachfrage bei der Stadt ist zu erfahren, dass das entstehende Gebäude an seiner zum Hang gelegenen Seite tatsächlich 6,25 Meter hoch werden soll – also fast drei Meter mehr als eigentlich zulässig. Diese Höhe umfasse allerdings auch das Staffelgeschoss, das deutlich unter dem Erdgeschoss zurückgesetzt sei, erläutert ein Stadtsprecher. Das zweite Geschoss umfasse nur 50 Prozent der Grundfläche des Erdgeschosses. Aus diesem Grund sei eine Ausnahme vom Bebauungsplan erteilt worden. Solche Ausnahmen seien im Baugesetzbuch geregelt.

Tatsächlich ist unter dem Paragraph 31 Absatz 2 nachzulesen, dass Ausnahmen vom Bebauungsplan möglich sind, wenn sie „städtebaulich vertretbar“ sind.

In der Nachbarschaft des aktuellen Bauprojekts wird dies zum Teil anders gesehen. Der Anwohner, der sich an die HNA gewandt hatte, befürchtet, dass sich der Charakter der Siedlung weiter verändern könnte. Jeder Bewohner der Niedrighaussiedlung habe sich beim Bau an die Vorgaben halten müssen. Nun würden Ausnahmen gemacht. Künftige Bauherren könnten sich auf diese berufen.

Eigentlich keine Aufbauten

In dem Bebauungsplan von 1971 ist neben der Gebäudehöhe auch eindeutig geregelt, dass Dachaufbauten nicht zulässig sind. Auf dem Erdgeschoss des Neubaus entsteht derzeit aber ein ganzes Staffelgeschoss. Ein weiterer Widerspruch zum Bebauungsplan. Auch diese Abweichung hält die Stadt offenbar „städtebaulich vertretbar“.

Dem verärgerten Nachbar geht es nicht darum, das laufende Projekt zu verhindern. Er würde sich aber wünschen, dass die Stadt nicht immer mehr Ausnahmen zulässt.

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