Haus in Kirchditmold wird zur Frauenarztpraxis umgebaut

300 Jahre alte Drogerie in Kassel: Sanierung legt Geschichte frei

Kirchditmold. Es ist das älteste Haus Kirchditmolds und es hat viele Geschichten zu erzählen, wie sich nun zeigt. Bei der vor zwei Wochen gestarteten Sanierung der ehemaligen „Zentgrafen Drogerie“ an der Zentgrafenstraße 156 machten die neuen Eigentümerinnen interessante Funde.

Als die Kasseler Frauenärztinnen Karla Bentler und Bettina Steuernagel begannen, das Gebäude in eine Praxis mit zwei Wohnungen umbauen zu lassen, kamen hinter dessen Wänden alte Bausubstanz, Fragmente eines Hakenkreuzes und alte Zeitungsseiten zum Vorschein.

Die Ärztinnen, die derzeit am Bebelplatz ihre Praxisräume haben, wollen in Kirchditmold am 1. Januar 2017 ihr neues Domizil eröffnen. Die alte Drogerie mit dem großen Garten dahinter schien ihnen ideal für ihren Plan, eine Frauenarztpraxis mit naturheilkundlichem Schwerpunkt zu eröffnen. Also beteiligten sie sich an der Versteigerung des Hauses und setzten sich gegen 20 Bieter durch.

Im Stadtteil sind viele froh, dass die Ärztinnen sich dem denkmalgeschützten Gebäude annehmen. Denn ihr Ziel ist es, das Haus denkmalgerecht zu restaurieren. Dafür haben sie den Kasseler Architekten Friedhelm Flott beauftragt.

Wollen die alte Drogerie denkmalgerecht sanieren: Frauenärztin Karla Bentler und Architekt Friedhelm Flott. Im Januar 2017 soll dort eine neue Frauenarztpraxis eröffnen.

„Wir sind mit der Denkmalpflege auf Spurensuche zur Geschichte des Hauses“, erzählt Flott. Es habe sich gezeigt, dass das 1689 als Oberförsterei errichtete Gebäude über die Jahrhunderte häufig umgebaut worden sei. Nachdem das Haus entrümpelt war, machten die Arbeiter ungeahnte Entdeckungen. Hinter einer Wandabdeckung tauchte das Fragment eines Hakenkreuzes auf. Dieses stammt aus der Zeit, als in dem Haus der NSDAP-Ortsgruppenleiter residierte. Hinter Tapeten kamen alte Zeitungsseiten zum Vorschein, darunter Ausgaben aus 1934, aber auch aus den 60er-Jahren. Zeitungen seien früher als Makulatur, sprich als Untertapete, verwendet worden, erzählt Architekt Flott. Ursprünglich seien die Wände mit Lehmputz aus Stroh und Schweineborsten versehen worden – dieser kommt nun wieder zum Vorschein.

Hinter den abgehängten Decken tauchte zudem die alte Deckenkonstruktion aus Eichenbalken auf und hinter Schrankwänden alte Fenster, die von außen vor Jahrzehnten verschlossen worden waren. „Sollten wir noch Schätze im Haus oder auf dem Grundstück finden, gehören sie laut dem Grundbucheintrag dem preußischen Staat“, erzählt Flott. Zum Glück gebe es den ja aber nicht mehr.

Die Schindeln am Gebäude sollen an der Straßenfront abgenommen werden. „Die sind in einem schlechten Zustand“, so Flott. Es werde geprüft, ob neue Schindeln angebracht werden oder ob das darunterliegende Fachwerk restauriert werden kann.

Die Ärztinnen planen, ihr künftiges Wartezimmer (der alte Drogerieverkaufsraum) auch für öffentliche Veranstaltungen zu nutzen.

Rubriklistenbild: © Ludwig

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