Rettung kostet 250 Euro

Nach zwei Tagen auf Baum in Kirchditmold: Kletterer rettete Katze Lilli

Gerettet: Katze Lilli mit Frauchen Petra Benecke.

Kassel. Normalerweise wird Marco Nicolas Werner engagiert, wenn Spezialfällungen von Bäumen anstehen. Kürzlich hatte der Kletterer aus Kassel aber einen besonderen Auftrag.

Von einem rund 17 Meter hohen Baum auf dem Friedhof in Kirchditmold holte er Katze Lilli. „Das war meine erste Katzenrettung.“ Die eineinhalb Jahre alte Hauskatze lebt in der Nachbarschaft der Kirche, bei ihrem Frauchen Petra Benecke. Lilli darf tagsüber raus. Abends komme sie aber immer nach Hause, erzählt Benecke. Vor allem nachdem sie als junge Katze in den Kopf gebissen worden war. Benecke mutmaßt, dass Lilli damals von einem Waschbären angegriffen wurde.

Ein jagender Waschbär könnte auch für den Einsatz des Kletterers kürzlich ursächlich gewesen sein. Jedenfalls kam Lilli an einem Dienstagabend nicht nach Hause. Ihr Frauchen machte sich umgehend auf die Suche. Ohne Erfolg. Am nächsten Abend suchte sie erneut nach Lilli. Auf dem Friedhof habe sie dann ein Maunzen gehört. Im Schein der Taschenlampe habe sie ganz oben auf einer Art von Zeder ihre Katze entdeckt, erzählt Benecke. Gemeindemitglieder seien ihr noch mit einer Leiter zur Hilfe geeilt. Aber die sei zu kurz gewesen, um Lilli vom Baum zu holen. Daraufhin habe sie nachts die Feuerwehr angerufen. „Die war aber auch nicht hilfreich. Mir wurde gesagt, dass die Katze allein vom Baum kommt“, sagt Benecke.

Aus rund 17 Metern Höhe gerettet: Baumkletterer Marco Nicolas Werner holte kürzlich Katze Lilli von einem Baum auf dem Friedhof in Kirchditmold.

Nach Angaben von Norbert Schmitz, Leiter der Kasseler Berufsfeuerwehr, ist es in den seltensten Fällen erforderlich, die Feuerwehr für eine Katzenrettung zu alarmieren. „Haben Sie schon mal ein Katzenskelett auf einem Baum gesehen? Wenn die Tiere Hunger haben, dann verlassen sie auch wieder den Baum.“ Es komme nur sehr selten vor, dass sich eine Katze beim Abstieg in einer Astgabel verklemme und menschliche Hilfe benötige. Die Menschen seien in der Regel der Grund, warum mitunter eigenwillige Katzen zum Teil tagelang auf Bäumen blieben, sagt Schmitz. Etwa fünfmal im Jahr komme es vor, dass die Feuerwehr eine Katze retten müsse, sagt Schmitz. Komme nur eine Drehleiter zum Einsatz, koste das 100 Euro. Sei gar ein Löschfahrzeug mit Leiter erforderlich, klettere die Rechnung auf 250 Euro an.

Er habe schon davon gehört, so Kletterer Werner, dass die Feuerwehr Katzen gar mit einem Wasserstrahl von Bäumen gescheucht habe.

Feuerwehr-Chef Schmitz distanziert sich von solchen Methoden. „Wir sind doch nicht bei Police Academy.“

250 Euro kostete auch die zweistündige Rettung (mit Anfahrt) durch den Kletterer. Den Kontakt zwischen ihm und der Katzenbesitzerin habe der Revierförster hergestellt. Werner kletterte in die Krone des Baums und steckte Lilli in 17 Metern Höhe in einen Rucksack. Ein wenig habe die Katze dabei gefaucht, erzählt Werner. Ihr Frauchen war indes sehr glücklich über den Einsatz des Kletterers.

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