Mann beleidigte Opfer als "Scheißtürken"

Muslima mit Messer angegriffen: Sicherungsverfahren gegen 22-Jährigen

Kassel. Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung läuft seit Montag vor der 6. Großen Strafkammer des Landgerichts Kassel ein Sicherungsverfahren gegen einen 22-Jährigen.

Der junge Mann soll im Juni 2015 in Kirchditmold eine 14-Jährige und deren Mutter grundlos mit drei Messern auf offener Straße angegriffen und die Jugendliche durch Schnittwunden verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass er wegen einer psychotischen Erkrankung schuldunfähig war.

Das Schwurgericht muss die Frage klären, ob der junge Mann zum Schutz der Allgemeinheit in eine forensische Klinik eingewiesen wird. Seit seiner Festnahme ist er in der geschlossenen Psychiatrie in Haina (Waldeck-Frankenberg) untergebracht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Verdächtige unter einer paranoiden Schizophrenie leidet und er ohne Therapie weiterhin zu gefährlichen Taten neigt.

An jenem Sonntag habe er sich „spontan“ entschlossen, die beiden Frauen, die durch ihre Kopftücher als Muslima zu erkennen waren, zu töten, heißt es in der Antragsschrift. Motiv der Tat soll ein fremdenfeindlicher Hintergrund gewesen sein. Bei seiner Festnahme beleidigte der 22-Jährige die Opfer als "Scheißtürken". Dennoch bestritt der große, blonde junge Mann vor Gericht eine derartige politische Einstellung: „Ich bin kein Ausländerfeind.“

Er habe die beiden Frauen, die zur Mittagszeit vor seinem Elternhaus in Kirchditmold entlanggingen, nicht gekannt: „Ich hab‘ mir die rein zufällig ausgesucht.“ Mit Stichen an deren Hand verletzte er die Tochter. Nach einem Handgemenge gelang es den Opfern und einer hinzugeeilten weiteren Frau, den Verdächtigen zu überwältigen. Der bestritt vor Gericht nicht, die Tat begangen zu haben. Aber oft antwortete er auf die Fragen des Vorsitzenden Richters Volker Mütze mit der immer gleichen, leisen Antwort: „Kann sein, ich kann mich nicht mehr erinnern.“

Von Andrea Liese

Rubriklistenbild: © dpa

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