Mädchen dem Jugendamt übergeben

Saßen auf Parkbank: Ulrike M. und ihre beiden Töchter gefunden

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Hier wurden die Vermissten am Mittwochmorgen von einem Passanten entdeckt: Ulrike M. und ihre beiden Töchter hielten sich auf einer Bank an der Zentgrafenstraße auf.

Kassel. Die 48-jährige Ulrike M. und ihre beiden sieben und zehn Jahre alten Töchter, nach denen mit einer Fotoveröffentlichung intensiv gefahndet wurde, sind am Mittwochmorgen von der Polizei in Obhut genommen worden.

Aktualisiert um 13.27 Uhr.

Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Wernermeldete sich ein Passant gegen kurz vor 8 Uhr über Notruf 110 bei der Kasseler Polizei und berichtete, zwei Kinder und eine Frau auf einer Parkbank an der Zentgrafenstraße in Kirchditmold gesehen zu haben. Der Mann erklärte, er habe von der Suche aus den Medien erfahren. Bei der Polizei waren nach der Veröffentlichung am Dienstagnachmittag knapp 20 Hinweise zu der vermissten Familie eingegangen. Weil der Verdacht bestand, dass die Kinder gesundheitlich gefährdet waren und auch die Mutter ärztliche Hilfe brauchte, hatte die Polizei mit Fotos aus dem Jahr 2014 nach den Vermissten gefahndet.

Wie sich am Mittwochmorgen herausstellte, war der Hinweis aus Kirchditmold richtig. Eine Funkstreife des Reviers Süd-West, die direkt dorthin fuhr, entdeckte die drei Vermissten im Bereich der Zentgrafenstraße/Ecke Brunnenstraße. „Sowohl die Mutter als auch ihre Kinder machten auf die Beamten zunächst einen überraschten Eindruck, verhielten sich aber ruhig und ließen sich zum Polizeipräsidium bringen“, so Werner.

Keine Angaben zu bisherigem Aufenthalt

Zuletzt aktualisiert um 15.40 Uhr. 

Gegenüber den Kriminalbeamten des Kommissariats 11, das für Vermisstenfälle zuständig ist, habe die Mutter keine Angaben zum bisherigen Aufenthalt der Familie gemacht. Bis zum vergangenen Jahr hatte die Familie in einer Wohnung in Niederzwehren gelebt.

Nach Angaben von Polizeisprecher Torsten Werner ist Ulrike M. seit September 2015 ohne festen Wohnsitz. Der vermutliche Grund: Es drohte eine von den Behörden angeordnete Trennung von den sieben und zehn Jahre alten Töchtern. Bekannte hatten damals berichtet, die Frau mache einen verwirrten Eindruck, und die Kinder seien in einem schlechten Allgemeinzustand.

Bekannten und Angehörigen zufolge lebte die Familie seit ihrem Verschwinden im September 2015 größtenteils auf der Straße. Die drei sollen unter anderem auch auf Spielplätzen und Schnell-Restaurants übernachtet haben. Zuletzt waren die Mädchen vor gut vier Wochen am Bahnhof in Bad Wilhelmshöhe von einer Bekannten gesehen worden.

Laut Polizei sind die Mutter und ihre Töchter in einem körperlich unversehrten Zustand. Die beiden Mädchen werden dem Jugendamt, die 48-Jährige zunächst dem Sozialpsychiatrischen Dienst in Obhut gegeben.

Das sagt das Jugendamt

Zu diesem Einzelfall darf sich Judith Osterbrink, Leiterin des Jugendamtes, nicht äußern. Sie kann nur allgemeine Auskünfte zu Inobhutnahmen von verwahrlosten Kindern machen. Kinder im Alter von sieben und zehn Jahren, die dem Jugendamt übergeben würden, würden bei einem Träger, zum Beispiel dem Kinderschutzhaus, untergebracht. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) der Stadt Kassel kümmere sich im Rahmen einer Perspektivklärung darum, wie die Zukunft der Kinder aussehen könne. Sie prüften zum Beispiel, ob es Verwandte gibt, bei denen die Kinder untergebracht werden können. Zudem werde geschaut, ob die Kinder einen Arzt oder Psychologen benötigten und ob ein Sorgerechtsentzug beim Familiengericht angestrebt werden müsse.

Bei der Stadt Kassel gibt es pro Jahr 100 Inobhutnahmen und knapp 300 Gefährdungsmeldungen. In den meisten Fällen könnten die Kinder schon nach kurzer Zeit zu ihren Familien zurückkehren, sagt Osterbrink. „Das ist auch unser Ziel.“

Hinweis: Zum Schutz der Familie hat die Polizei darum gebeten, die Fotos der Mutter und ihrer Töchter nicht weiter zu veröffentlichen. 

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