Die Kirche will Kapelle an der Hasenhecke verkaufen

Schlichter Bau: Die Michaeliskapelle war früher Teil eines Wirtschaftsgebäudes der Kaserne auf der Hasenhecke.

Kassel. Fast auf den Tag genau 67 Jahre ist es her, dass im umfunktionierten Kasino der ehemaligen Flakkaserne auf der Hasenhecke der erste Gottesdienst gefeiert wurde.

Nun sind die Tage der Kapelle gezählt: Die evangelische Kirchengemeinde Wolfsanger will ihren Standort auf der Hasenhecke aufgeben. Heute Abend entscheidet die Stadtsynode, also das Kirchenparlament, ob das Gebäude verkauft werden soll.

Leicht gemacht habe man sich die Entscheidung nicht, sagt Pfarrerin Marion Vöhringer: „So ein Abschied ist mit viel Wehmut verbunden.“ Doch die Michaeliskapelle werde kaum noch genutzt. Sie verursache der Gemeinde aber hohe Kosten.

Viele Jahre gab es ein reges Gemeindeleben auf der Hasenhecke, vor allem eine lebendige Kinder- und Jugendarbeit. Inzwischen kommen zu den Gottesdiensten jeden zweiten Sonntag lediglich noch um die zehn Besucher, berichten Pfarrerin Vöhringer und ihr Kollege Hartmut Feußner.

Etwa 600 der 2800 Mitglieder der Kirchengemeinde Wolfsanger leben auf der Hasenhecke. „Viele, die mobil sind, fahren aber lieber in die Kirche im Ortskern, statt hier in den Gottesdienst zu gehen“, sagt Feußner. Für Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen werde statt der schlichten Kapelle ohne Glockengeläut ohnehin meist die Johanniskirche bevorzugt. Auch das Interesse an anderen Angeboten in dem Gemeindezentrum auf der Hasenhecke habe im Lauf der Jahre stark nachgelassen.

Gleichbleibend hoch seien jedoch die Kosten für die Unterhaltung der Kapelle: Im Jahr fallen rund 10 000 Euro für Heizung, Strom und Reinigung an. Die Hälfte davon muss die Gemeinde selbst tragen, die andere Hälfte übernimmt der Stadtkirchenkreis.

Die evangelische Kirche hatte das Gebäude 1985 vom Bund erworben und in der Folge aufwändig saniert und renoviert. Zuvor hatte die Kirche die Räumlichkeiten in dem ehemaligen Kasernenkomplex gemietet.

Gegenüber liegt St. Michael 

Abschied aus Vernunft, aber mit Wehmut: Pfarrer Hartmut Feußner und Pfarrerin Marion Vöhringer in der Michaeliskapelle auf der Hasenhecke. Die Gemeinde will den Standort aufgeben und das Gebäude verkaufen. Fotos: Rudolph

Wenn die Synode zustimmt, was als wahrscheinlich gilt, soll das Gebäude nun veräußert werden. Ganz zurückziehen will sich evangelische Gemeinde aber nicht von der Hasenhecke. Sie wird Obdach bei der katholischen Nachbargemeinde bekommen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudekomplexes befindet sich ebenfalls seit der Nachkriegszeit die Kapelle St. Michael der katholischen Kirche. Dort soll auch künftig alle 14 Tage ein evangelischer Gottesdienst stattfinden.

„Es ist selbstverständlich, dass wir helfen“, sagt Pfarrer Peter Bulowski von der katholischen Gemeinde St. Elisabeth, die ihren Standort auf der Hasenhecke derzeit nicht in Frage stellt. Details wie die Gottesdienst-Uhrzeiten und das Nutzungsentgelt wollen die beiden Gemeinden in den nächsten Monaten noch klären.

Bis zum tatsächlichen Verkauf werden Gottesdienste und alle anderen Angebote in der evangelischen Kapelle weiterlaufen wie bisher.

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