Nachzügler machen Rast am Buga-See

Kleine Gruppen von Kranichen fliegen verspätet gen Süden

Kraniche machen Rast auf der Vogelinsel im Buga-See: Thomas Fleck vom Vorstand des Naturschutzbundes Kassel hat diese Kranichfamilie in dieser Woche fotografiert. Rechts im Bild sind die beiden Jungtiere zu erkennen. Leserfoto: Fleck / nh

In diesen Tagen hallten ihre Rufe mitunter auch spät am Abend noch am Himmel über Kassel. Die letzten Trupps von Kranichen sind auf dem Weg Richtung Süden, um dort zu überwintern.

Eine kleine Gruppe machte Anfang der Woche Rast im Naturschutzgebiet des Buga-Geländes.

Die Tiere verbrachten offenbar eine Nacht auf der Vogelinsel, um Kraft für den Weiterflug zu schöpfen, mutmaßt Thomas Fleck vom Naturschutzbund (Nabu) Kassel, der die beiden Altvögel mit zwei Jungtieren auch dabei beobachtete, wie sie sich wieder in die Lüfte hoben.

Diese Kraniche seien relativ spät dran, erläutert Nabu-Vorsitzender Peter Lorenz. Zu diesen kleineren Gruppen gehörten vermutlich Jungtiere aus späteren Bruten, die noch nicht so lange flugfähig seien. Im vergangenen Jahr habe er die letzten Kraniche am 19. Dezember gen Süden ziehen sehen, sagt Lorenz: „Hauptsache, es gibt noch keinen Schnee und sie finden noch etwas zu fressen.“

Denn die Tiere brauchen viel Energie, wenn sie im Herbst am Tag manchmal Hunderte Kilometer zurücklegen, um von Skandinavien, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg nach Spanien zu fliegen. Ein paar 1000 Kraniche dieser westlichen Population überwintere mittlerweile auch in Mecklenburg-Vorpommern. Und viele Gruppen überqueren gar nicht mehr die Pyrenäen und bleiben in Südfrankreich, weiß Lorenz. Nach Beobachtungen von Naturschützern waren es im vergangenen Jahr rund 100.000 Kraniche, die auf dieser Route gezählt wurden. Ihren Flug zu beobachten, fasziniert auch Laien immer wieder. In ihrer typischen V-Formation fliegen sie, um den Luftwiderstand zu reduzieren und den Kontakt innerhalb der Gruppe zu sichern, erläutert Lorenz. Auch die typischen lauten Rufe tragen vor allem bei schlechten Sichtverhältnissen dazu bei, dass die Tiere sich auf ihrem langen Weg nicht verlieren.

Wenn sie diese Formation zwischendurch kurzzeitig doch und scheinbar planlos verlassen, ordnen sie sich neu, weil sie die Flughöhe wechseln, um günstigere Aufwinde und Winde zu nutzen, weiß der Naturschützer.

Die Hauptmenge der Kraniche habe sich bereits im Oktober auf die lange Reise gemacht. In diesem Jahr kehrten sie aus ihrem Winterquartier bereits Mitte Februar wieder zurück, hat auch der Nabu Kassel beobachtet. Noch vor wenigen Jahrzehnten trafen die Kraniche erst im März in ihren Brutgebieten ein. Der spätere Aufbruch im Herbst sei ein weiterer Hinweis auf ein verändertes Zugverhalten der Tiere vermutlich in Folge von Klimaveränderungen.

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