Verhandlung vor dem Landgericht

Prozess: 65-Jähriger soll Klinikum um 610.000 Euro gebracht haben

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Um viel Geld gebracht: Das Klinikum Kassel der Gesundheit Nordhessen Holding auf dem Möncheberg.

Kassel/Northeim. Ein 65 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Kassel soll als Mitarbeiter des Klinikums Kassel die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) um 610.000 Euro gebracht haben.

Deshalb steht er derzeit gemeinsam mit einer 49 Jahre alten Mitangeklagten aus dem Landkreis Northeim wegen des Verdachts des gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betruges vor der 5. Strafkammer des Landgerichtes.

Die Anklage in Person von Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied wirft dem Duo vor, zwischen August 2009 und Mai 2014 durch fingierte Rechnungen für Fotomaterialien den beträchtlichen Schaden für die Holding angerichtet zu haben.

Im Verlauf der ersten drei Verhandlungstage hat der 65-Jährige ein Teilgeständnis abgelegt. Die Frau aus Northeim, die an den Mann Foto-Material lieferte, hingegen behauptet dagegen, die ganze Zeit über gutgläubig und ohne Vorsatz gehandelt zu haben. Für sie sei der Angeklagte der Zentraleinkäufer des Klinikums für Fotomaterialien gewesen, sie sei davon ausgegangen, dass alle gelieferten Waren auch an das Krankenhaus gegangen seien.

Wie funktionierte die Betrugsmasche nach Meinung der Staatsanwaltschaft? Der Angeklagte war seit Jahrzehnten beim Klinikum als Fotograf angestellt, dies schon zu Zeiten, als das Krankenhaus noch im Besitz der Stadt Kassel war.

Vertrauensposition

Im Laufe der Jahre hatte er sich eine so umfassende Vertrauensposition erarbeitet, dass er sowohl alle Bestellungen aufgab, als auch den Empfang der Ware auf Lieferscheinen bestätigte. Die Rechnungen wurden anschließend anstandslos von der GNH bezahlt. Tatsächlich aber, so die Anklage, soll der Mann hochwertige Kameras, Objektive, Speichermedien, Akkus und ähnliches mehr für seinen nebenberuflich betriebenen Gewerbebetrieb für Fotografie-Bedarf bei der mitangeklagten Lieferantin aus Northeim bezogen haben. Abgerechnet wurden im Klinikum freilich nicht die teueren Kameras, sondern etwa 900 Kartons mit Fotopapier.

Die Kameras und die anderen Dinge soll der Angeklagte zum Teil deutlich unter Wert weiterverkauft haben. Vor der 5. Strafkammer mit Richter Stanoschek an der Spitze gab er als Motiv an, weit über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Schon 2012 hatte er Privatinsolvenz angemeldet. Begünstigt wurde der Betrug offenbar durch eine fehlende oder unzureichende Kontrolle durch die GNH.

Die Geschichte kam erst nach fünf Jahren im Juli 2014 heraus, als einem Mitarbeiter die unerklärlichen Kostenüberschreitungen beim Fotomaterial aufgefallen waren. Der Angeklagte ist inzwischen aus den Diensten der GNH ausgeschieden.

Plädoyers im Februar

Das Verfahren geht am heutigen Donnerstag, 28. Januar, um 9 Uhr im Saal D 130 des Gerichts weiter. Nach dem gegenwärtigen Prozessplan sollen die Plädoyers am 22. Februar und am 16. März gehalten werden. Dann wird auch mit einem Urteil gerechnet.

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