Polizei: Zeugen sollen sich schnell melden

Aus Langeweile und reiner Zerstörungswut: Konräder werden immer häufiger beschädigt

Kassel. In den vergangenen Wochen sind verstärkt Räder des Kasseler Verleihsystems Konrad unterschlagen und beschädigt worden. Nun hofft die Polizei auf Zeugenhinweise.

Langeweile und Zerstörungswut seien wohl die Hauptmotive der meist jugendlichen Täter, die zuletzt wegen Vandalismus bei der Polizei auffällig geworden seien, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Besonders häufig seien dabei Konräder betroffen. Diese würden zum Teil unrechtmäßig ausgeliehen und benutzt. Daher sei die Identifizierung der Verdächtigen besonders schwer.

Oft werden Gepäckkorbe und Bowdenzüge abgerissen oder Lenker, Gabeln sowie Felgen beschädigt. Die Konräder werden von den Unbekannten anschließend beschädigt zurückgelassen. Den Ermittlern zufolge sind insbesondere die Standorte an der Engelhardstraße in Kassel-Rothenditmold und an der Mombachstraße im Stadtteil Nord betroffen.

DB Rent nennt keine Zahlen

Bei der DB Rent, die das Fahrradverleihsystem seit 2014 betreibt, war nicht zu erfahren, wie hoch der entstandene Schaden durch Vandalismus ist. „Beschädigungen von Rädern treten bei unseren Fahrradvermietsystemen bundesweit auf und werden von den Reparaturteams schnellstmöglich behoben“, sagte ein Sprecher. Ob es sich bei Beschädigungen um mutwillige Zerstörung handelt, sei nicht in allen Fällen klar. Deshalb gebe es dazu keine verlässlichen Zahlen.

Zwei Fälle

Gleich vier Jugendliche malträtieren ein Konrad

Am 21. September beobachtet ein Passant gegen 16 Uhr vier Jugendliche, die in der Kasseler Innenstadt im Bereich der Straße "Seidenes Strümpfchen" ein Konrad beschädigen. Als der Zeuge Fotos fertigt, gehen die Jugendlichen drohend auf ihn zu. Nur weil er sich in seinen geparkten Wagen flüchtet und diesen verriegelt, lassen sie von ihm ab und verschwinden mit dem beschädigten Fahrrad. Der Zeuge beschreibt die drei Jungen und das Mädchen wie folgt: Alle seien etwa 13 bis 15 Jahre alt und 1,60 bis 1,70 m groß. Die Jungen waren sportlich gekleidet und trugen Baseballkappen. Das Mädchen hatte schwarze, lange Haare, trug eine graue Jogginghose und eine graue Strickjacke. Sie hatte zudem eine graue Umhängetasche dabei.

Mit voller Wucht vor die Wand

Am Mittwochabend gegen 21 Uhr meldet sich ein Anwohner der Bremer Straße bei der Kasseler Polizei und berichtet von drei Jugendlichen, die auf dem Schulhof der Schule Am Wall "Konräder" mit voller Wucht gegen die Wand fahren. Er schildert, dass es den Jungen offenbar nur um die Zerstörung der Fahrräder geht. Eine Funkstreife des Innenstadtreviers ist nur wenige Minuten später auf dem Schulgelände, die Jugendlichen haben sich allerdings bereits aus dem Staub gemacht. Eine genaue Beschreibung der Tatverdächtigen liegt nicht vor.

Diese Fälle sind laut den Ermittlern der Operativen Einheit Kassel, die für Fahrraddiebstähle und -unterschlagungen zuständigen sind, keine Seltenheit. Daher appelliert die Polizei an Zeugen, die verdächtige Beobachtungen machen, sich möglichst schnell unter dem Notruf 110 zu melden.

Konrad in Zahlen

1 Euro kostet die Ausleihe von Konrad für eine Stunde. Der maximale Mietpreis pro Tag beträgt 10 Euro.

4 Jahre und sechs Monate ist das Fahrradverleihsystem schon in Betrieb. Ende März 2012 war „Konrad“ zunächst als Modellprojekte der Stadt Kassel gestartet. Es wurde vom Bund mit 1,5 Mio. Euro gefördert. Seit 2013 betreibt die Bahntochter DB Rent das System privatwirtschaftlich.

58 Konrad-Stationen gibt es im Stadtgebiet. An ihnen kann man die Räder ausleihen und abgeben.

500 Leihfahrräder mit dem charakteristischen knallgrünen Fahrradkorb werden vorgehalten.

40.000 Kunden sind nach Angaben der DB Rent aktuell für Konrad registiert. Allerdings dürften darunter auch viele „Karteileichen“ sein, beispielsweise Touristen die Konrad nur einmalig genutzt haben.

?????? Hier hätten wir Ihnen gern die Zahl der Konrad-Ausleihen genannt. Die DB Rent gab diese nicht heraus. Es handele sich um „wettbewerbsrelevante Daten“. 2014 wurden die Zahlen noch genannt. Damals gab es 165 000 Ausleihen in den ersten drei Quartalen des Jahres.

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