Vögel hinterlassen Kot auf ihren Schlafplätzen

Kormoran schädigt Bäume auf dem Buga-Gelände

Geschickter Fischer mit viel Appetit: Der Kormoran geht vermehrt auch an der Fulda und am Bugasee auf Jagd. Mit ihrem Kot schädigen die Vögel die Bäume, auf denen sie sich niederlassen. Archivfoto: dpa

Kassel. Der Frühling naht zwar bislang nur zaghaft. Aber Raureif an der Buga? Mancher Spaziergänger reibt sich verwundert die Augen.

Einige Bäume auf der Insel unweit der Seglergaststätte sind sehen winterlich gezuckert aus.

Tatsächlich sind Kormorane für die geweißten Bäume verantwortlich. Es handelt sich dabei um ihren Kot.

Ganz in Weiß: Die Bäume auf der Insel im Bugasee sind mit dem Kot von Kormoranen verunreinigt. Die ätzenden Hinterlassenschaften der Wasservögel können zum Absterben des Baums führen. Foto:  Koch

Die Hinterlassenschaften haben aber nicht nur optisch Auswirkungen. Weil der Kormoran-Kot stark ätzend ist, werden die Bäume dadurch auch geschädigt und können sogar absterben. „Schön ist das natürlich nicht“, sagt Peter Wüstemann, Leiter der Abteilung Umweltschutz im städtischen Umwelt- und Gartenamt auf Anfrage der HNA. Von einem Problem möchte er dennoch nicht sprechen. „Das ist eben Natur.“ Der Kormoran stehe zudem unter Schutz. Grund, gegen die Verkotung der Bäume einzuschreiten, sehe man deshalb nicht, so Wüstemann. Es handele sich um eine überschaubare Zahl betroffener Bäume. Da sie sich im Bereich der Buga auf der Insel befinden, bestehe auch keine Gefahr, dass abgestorbene Teile auf einen Weg stürzen und Fußgänger zu Schaden kommen könnten. Auch an der Fulda in der Nähe von Gut Kragenhof ist das Phänomen zu beobachten.

Schon seit Längerem hat der Kormoran vermehrt Einzug an der Fulda und auf dem Buga-Gelände Einzug gehalten. „Vor 20 Jahren hat man sich noch gefreut wie ein Schneekönig, wenn man mal einen Kormoran gesehen hat“, sagt Alexander Rundau, Hobby-Vogelkundler beim NABU. Seither habe die Population der Fisch fressenden Vogelart kontinuierlich zugenommen. Seien Kormorane früher in den Wintern, wenn Seen und Flüsse zugefroren waren, noch in wärmere Gefilde gezogen, blieben sie inzwischen auch im Winter meist hier. Abgesehen von diesem Phänomen seien die Zahlen zuletzt konstant gewesen, meint Rundau.

Peter Wüstemann

Angler machen allerdings andere Beobachtungen. Gerade vergangenes Wochenende habe man an dem Schlafplatz an der Buga 130 Kormorane gezählt, berichtet Benjamin Peter (Fuldabrück), Gewässerbeirat für die Buga beim Verband Hessischer Fischer. „So viele haben wir noch nie gehabt.“ Gerade in den Wintermonaten stiegen die Zahlen, weil zu den hier verbleibenden Kormoranen viele Tiere aus dem kalten Skandinavien und Mecklenburg-Vorpommern stießen. Weil Kormorane beachtliche Mengen Fisch fressen (bis zu 500 Gramm am Tag), betrachten Fischer es mit Sorge, wenn die Population wächst. Nicht weil man Sorge um den eigenen Fang habe, betont Peter. Sondern weil sie den Fischbestand stark dezimieren und das natürliche Gleichgewicht unter Wasser durcheinander bringen können. Nicht zuletzt auch durch den Kot, der auch in den Bugasee falle und dort wie in Dünger wirke.

Zwar gibt es für Fischereiverbände Ausnahmegenehmigungen zur Jagd auf Kormorane - die Stadt Kassel erlaubt im Jahr 22 Abschüsse. Gerade im Bereich der Buga sei die Jagd wegen des Publikumsverkehrs aber schwierig, so Benjamin Peter. Zudem vorgeschriebene Bergung der toten Tiere von der Insel sei aufwändig.

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