Milchpreis ist erneut auf Rekordtief - EU und Bund vergeben Kredithilfen

Bernd Krug ist unzufrieden: Für den Baunataler Landwirt sind schnelle Kredite durch die EU zu kurzfristig gedacht. Er wünscht sich langfristige Konzepte, um seinen Hof wirtschaftlich abgesichert an die nächste Generation übergeben zu können. Foto: Weber

Baunatal / Kreis Kassel. Insgesamt 7800 Betriebe sollen laut Bundeslandwirtschaftsministerium ein Notprogramm von EU und Bundesregierung beantragt haben, um finanzielle Engpässe kurzfristig überwinden zu können.

Wie viele Landwirte des Landkreises Kassel dies bisher tatsächlich in Anspruch genommen haben, kann Franziska Wolland vom Kreisbauernverband nicht sagen. Die erforderlichen Vorgaben zu erfüllen, unter anderem ein Nachweis des Milchpreisverfalls um mindestens 19 Prozent, gestaltet sich offenbar problematisch.

Dies berichtet auch Bernd Krug, Milchbauer aus Baunatal: „Wenn ich einen Anspruch gehabt hätte, hätte ich es klar beantragt.“ Wegen der vorgeschriebenen Kreditlaufzeit sei das Programm für ihn jedoch nicht infrage gekommen. Es handele sich ohnehin um zu kurzfristige Hilfen: „Wenn ich jeden Monat 5000 Euro weniger Milchgeld habe und maximal 10.000 Euro Zuschuss bekomme, kann man sich das ausrechnen.“

Eine solche Förderung durch EU und Bund bezeichnet er als Fehler auf instabilen Märkten, die von Überproduktion und schlechter Verteilung geprägt seien. „Was wirklich allen helfen würde, ist ein vernünftiger Auszahlungspreis“, bekräftigt er. Dieser müsse bei rund 40 Cent netto liegen und damit 12 Cent höher als der momentane Durchschnittspreis für konventionelle Milch. Im Handel würde dies vielleicht 5 Cent ausmachen - eine „zumutbare Differenz“ für den Kunden.

Aus diesem Grund engagiert sich Krug im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Er hofft, ein vernünftiges Mengensteuerungskonzept mitentwickeln zu können, das den Landwirten langfristig helfe.

Zusätzlich hat er sich entschieden, von konventioneller auf faire, biologische Produktion umzustellen: „Bio ist erstmal eine Sache des Herzens“, sagt er, betont aber gleichzeitig die wirtschaftlichen Vorteile. Der Abnahmepreis für Bio-Milch liege im Mittel derzeit bei immerhin 50 Cent. Ein Preis, der nicht nur die eigene Existenz sichern könne, sondern auch Investitionen in den Hof möglich mache. Er produziere somit für einen boomenden Markt, während der konventionelle längst gesättigt sei.

Landwirt Krug appelliert an die Verbraucher: Meldungen über Zuschüsse dürften kein Signal sein, nicht handeln zu müssen. Im Gegenteil: Da die Nachfrage der Konsumenten den Markt regele, sollten sie auf die regionale, faire und biologisch korrekte Herkunft ihrer Lebensmittel achten, statt zum günstigsten Angebot zu greifen: „Es hat ja jeder in der Hand.“

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