Ein Abschied mit starken Tönen

Passionierte Organistin: Für das beinahe sonntägliche Orgelspiel in verschiedensten Kirchengemeinden saß Angelika Großwiele als hauptamtliche Bezirkskantorin der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck fast 50 Jahre an der Orgel. Am 10. April, 17 Uhr, wird sie mit einem Festgottesdienst in der Niedervellmarer Adventskirche verabschiedet. Foto: Brandau

Vellmar. Bezirkskantorin Angelika Großwiele geht nach 35 Jahren in der Niedervellmarer Adventskirche in Ruhestand

35 Jahre sorgte Angelika Großwiele im Auftrag des Evangelischen Kirchen-kreises Kassel-Land fast jeden Sonntag für die musikalische Begleitung der Gottesdienste. Orgelspielen war ihre Passion. Am kommenden Sonntag, 10. April, wird die 63-Jährige in der Niedervellmarer Adventskirche von Dekanin Carmen Jelinek und Gemeindepfarrer Thomas Vogt in den Ruhestand verabschiedet.

Musikalisch wird der Gottesdienst vom Posaunenchor Niedervellmar, dem Bläsersextett DACAPO und der Sängerin Martje Grandis begleitet.

Die Kantorin, die man meist gut gelaunt und lächelnd an der Orgel antraf, wurde 1953 in Telgte / Westfalen geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Schwaben, wo sie 1973 ihr Abitur ablegte. Der Mutter war es wichtig, dass ihre damals 14-jährige Tochter zur Abrundung des Klavierunterrichtes noch ein Jahr Orgelunterricht erhielt. Während ihres Studiums für das Höhere Lehramt und Kirchenmusik an der staatlichen Hochschule in Hannover studierte sie als zweites Schulfach Politikwissenschaft.

1987 kam Angelika Großwiele als Kantorin zum Predigerseminar nach Hofgeismar, wo sie in die Ausbildung der künftigen Pfarrerinnen und Pfarrer eingebunden war und zu allen Anlässen spielte. Fünf Jahre später erhielt die Kantorin eine Anstellung beim Evangelischen Kirchenkreis Kassel-Land, wo sie für Orgelspiel, Chorleitung, musikalische Kindergruppen und die Ausbildung von Orgelspielern zuständig war.

Hinzu kamen einige musikalische Projekte in anderen Kirchengemeinden. Sie leitete sieben Jahre den Vellmarer Kirchenchor „Kantorei“, war musikalische Direktorin der Musiktheatergruppe „Zeitlos“ und spielte bei zahlreichen Hochzeiten und Trauerfeiern.

Sorgen bereitet der scheidenden Kantorin der Nachwuchs an Organisten. „Es gehört zu meinen Aufgaben, bis zu zehn Orgelschüler auszubilden, doch in den letzten Jahren sind das immer weniger geworden. So werde ich, solange kein Nachfolger für mich gefunden wurde, weiter ehrenamtlich Organisten ausbilden“, erklärt Großwiele.

Sie kommt gern wieder

Inzwischen spielt die Kantorin fast 50 Jahre mit klammen Fingern in oft schlecht beheizten Kirchen die Orgel. Auch wenn sie am 1. Mai in Ruhestand geht, hat sie sich noch einiges vorgenommen. „Ich komme gern wieder dorthin, wo meine Projekte gefallen haben“, sagt sie. „Zumindest so lange, bis ein Nachfolger gefunden wurde.“

Als weiteren Lichtblick in ihrem künftigen Rentnerdasein sieht Großwiele ihre anderthalb Jahre alte Enkelin, mit der sie künftig mehr Zeit verbringen will.

Von Werner Brandau

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