Zum Dank gab es ein Abendessen

Flüchtling aus Somalia fand in Ahnatal ein Zuhause

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Ein Dankeschön: Seit Oktober lebt Hassan Jama Ige in der Einliegerwohnung im Haus von Geert Platner. Der 69-Jährige hatte die Wohnung dem Landkreis für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Zum Dank lud der junge Mann aus Somalia Platner jetzt zum Abendessen ein.

Ahnatal. Seit Oktober wohnt Hassan Jama Ige in Ahnatal. Sein Vermieter Geert Platner hatte dem Landkreis Kassel die Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt.

Eine Platte mit Hähnchenschenkeln steht bereit, daneben Nudeln, Gemüse und Salat. Hassan Jama Ige hat sich beim Kochen viel Mühe gegeben, denn er erwartet einen besonderen Gast: seinen Vermieter Geert Platner. Seit Oktober wohnt Hassan Jama Ige in Ahnatal, in einer Einliegerwohnung im Haus des 69-Jährigen.

Die Wohnung hatte Platner dem Landkreis Kassel für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Und der Landkreis vermittelte den Kontakt zu dem jungen Mann aus Somalia. Bis Oktober lebte Hassan Jama Ige in Nieste. Doch dann heiratete sein dortiger Mitbewohner und für drei Personen war die Wohnung zu klein. „Wir haben uns kennengelernt und ich dachte, das passt“, sagt Platner. Und auch der 25-Jährige konnte sich einen Umzug nach Ahnatal gut vorstellen. In seiner neuen Umgebung fühlt er sich wohl und gut angenommen. „Viele haben gefragt, ob ich noch etwas brauche“, erzählt er und zeigt ein Regal, das ihm ein Nachbar geschenkt hat.

Obwohl Hassan Jama Ige seine Heimat liebt, ist er aus Somalia geflohen. „Seit 24 Jahren herrscht Bürgerkrieg. Wenn man morgens aufsteht, weiß man nicht, ob man am Abend noch lebt. Ich hatte immer einen Brief mit allen Daten bei mir, falls ich erschossen werde“, berichtet er. Sein Vater, zwei Brüder und eine Schwester wurden im Krieg getötet. Seine Mutter und weitere Geschwister leben noch in Somalia.

In Deutschland gefällt es ihm gut. „Hier ist Frieden. Man kann zur Schule gehen. Es gibt Gesetze, an die man sich hält. Das ist wichtig. In Somalia gibt es nur Kampf, aber kein Recht.“ Ausländerfeindlichkeit hat Hassan Jama Ige, der vor zweieinhalb Jahren nach Deutschland gekommen ist, nicht erlebt. Er hofft darauf, bleiben zu können, doch noch ist sein Asylantrag nicht entschieden.

Seit einem Jahr lernt er Deutsch, mittlerweile kann sich der 25-Jährige schon gut verständigen. Derzeit besucht er jeden Tag einen Sprachkurs der Volkshochschule. „Sprache ist der Schlüssel. Ich möchte gern eine Ausbildung machen“, erklärt er. Froh ist Hassan Jama Ige darüber, dass er einen Minijob gefunden hat und in Nieste im Verein Fußball spielt. Über den Sport sind schon viele Freundschaften entstanden.

In Ahnatal hat er jetzt gemeinsam mit Geert Platner Bürgermeister Michael Aufenanger und Weimars Pfarrer Thomas Dilger getroffen. „Wir haben ein Interesse daran, dass wir uns in der Gemeinde um die hier lebenden Flüchtlinge kümmern und die Integration vorantreiben. Wir können im Ort einiges machen, zum Beispiel über Vereine, Kirchen, Kindergärten und Schulen“, erklärte der Bürgermeister. Und Platner regte an, die in Ahnatal lebenden Flüchtlinge und diejenigen, die helfen wollen, zusammenzubringen, damit die Menschen sich kennenlernen.

Eine Idee, die die evangelischen Kirchengemeinden von Ahnatal bereits aufgenommen haben. Wie Thomas Dilger erklärte, laden sie zu einem Basiskurs Flüchtlingsbegleitung ein. Auf diesem Weg soll sich eine Gruppe von Ehrenamtlichen zusammenfinden, die Flüchtlinge unterstützt.

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