Moderner Rock und Pop statt Volkslieder

Volkschor Weimar singt gegen das verstaubte Chor-Image an

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Schluss mit Operetten und Potpourris: Die Sänger des Volkschors Weimar singen jetzt alles von klassischem Rock bis zu zeitgenössischen Liedern. Mit dem modernen Weg sollen jüngere Sänger für den Chor angelockt werden.

Ahnatal. Seit 1885 hört man die Stimmen des Volkschors in der Ahnataler Gemeinde Weimar – nach 131 Jahren wollen die Sänger ihr Chor-Image abstauben.

Statt Volksliedern und Operetten finden sich nun Textblätter von den Beatles und Leonard Cohen in den Chormappen. Die Nachricht ist klar: Mit einem moderneren Repertoire sollen mehr Sängerinnen und Sänger ihre Leidenschaft für die Musik entdecken. Der Chor sehnt sich nach einer Verjüngungskur.

„Wie viele andere Chöre sind auch wir überaltert und brauchen junge Sänger“, erklärt Volker Klapp, der im vergangenen Jahr die Führung des Traditionschors übernommen hat. Gleichzeitig wurde Petra Wittmer neue Chorleiterin. Die 41-Jährige, die noch vier andere Chöre in der Region leitet, bringt frischen Wind unter die Rentner. In Weimar liegt der Altersschnitt der Aktiven bei 64 Jahren, das soll sich jetzt ändern.

Den 33 aktiven Sängern scheint die neue musikalische Richtung zu gefallen. Mit viel Elan sind sie schon beim Einsingen dabei. Sie strecken den ganzen Körper und singen dann mit vollem Körpereinsatz „du-du-du-du-du-du-du-du-du-du“, drohen gleichzeitig mit dem Zeigefinger, antworten einander dann mit einem hanseatischen „nee-nee-nee-nee-nee-nee-nee“ und schütteln vehement den Kopf.

Spielerisch wird an der Atemtechnik gefeilt, und die Übungen sorgen für ein größeres Volumen der Stimme. Die Knie, Bauch- und Gesäßmuskeln sind wichtig, für die perfekte Stimme muss der gesamte Körper locker werden, demonstriert die Chorleiterin beim Einsingen. Und schon starten sie in eine A-cappella-Version von dem Beatles-Song „When I’m Sixty-Four“.

Der Tausch von Operette zu Bruce Lows sonorem „Die Legende von Babylon“ fiel den Sängern nicht schwer. Margot Borleis singt seit über 60 Jahren im Weimarer Chor. „Am Singen hatte ich immer Spaß“, erzählt die 75-Jährige. Wenn sie hört, dass sie in einem Jahr Lieder von aktuellen Künstlern wie Andreas Bourani und den Toten Hosen singen wird, nickt sie heftig: „Das wäre toll. Lieder wie ,Unter den Linden‘ will ich nicht mehr singen.“ Nur mit englischen Liedtexten hat sie manchmal Schwierigkeiten.

Die Chorleiterin plant einen generationsübergreifenden Mittelweg, damit Jung und Alt einmal gemeinsam Spaß beim Singen haben werden.

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