Analyse

OB-Kandidatur in Kassel: Darum hat Vize-Landrätin Selbert (SPD) kaum noch Chancen

Susanne Selbert

Kreis Kassel. Im Rennen um die Nachfolge für Kassels scheidenden Oberbürgermeister Bertram Hilgen hat Vize-Landrätin Susanne Selbert (beide SPD) keine großen Chancen mehr. Die Ursache dafür liegt in den eigenen Reihen.

Susanne Selbert ist eigentlich eine Frau der klaren Worte. Doch am Wochenende sagte sie Sätze, die interpretiert werden müssen. „Ich bin sicher, dass es in der Stadt Menschen gibt, die das gern machen. Ich liebe meine Arbeit und bin damit glücklich“, sagte die Vize-Landrätin zu ihren Ambitionen für die Nachfolge von Bertram Hilgen als Oberbürgermeister von Kassel. Wie berichtet, hatte der Sozialdemokrat am Samstag erklärt, 2017 nicht mehr zu kandidieren.

Noch vor wenigen Wochen hätte sich die Reaktion von Selbert wahrscheinlich ganz anders angehört. Dann hätte sie womöglich von einer großen Herausforderung gesprochen und davon, dass sie zur Verfügung stehe, wenn man sie rufe. Seit einigen Jahren schon gibt es nämlich Anhaltspunkte dafür, dass die heute 56-Jährige ihre politische Laufbahn nicht im Kreishaus beenden will.

DER AFFRONT

Doch jetzt wird ihr der Anspruch der Kreis-Genossen auf das 2017 frei werdende Bundestagsmandat für den Wahlkreis Kassel wohl zum Verhängnis. Denn auch für diesen Posten gibt es mit Timon Gremmels (Niestetal) einen Kandidaten aus dem Landkreis. Von ihm fühlen sich die Kasseler Genossen überrumpelt. Parteichef Uwe Frankenberger gibt sich kaum Mühe, seinen Frust zu verbergen.

Erst einen Bundestagskandidaten aus dem Landkreis und dann noch eine OB-Kandidatin von dort? Das wird die Kasseler SPD kaum mit sich machen lassen. Sie muss nun zeigen, dass auch sie geeignetes Personal hat: Ihr Mann für das Rathaus heißt daher folgerichtig Christian Geselle, seit vergangenem Jahr Kämmerer der Stadt. Ihn meint Selbert wohl, wenn sie über Menschen redet, „die das gern machen“.

DIE HOFFNUNGSTRÄGERIN

Vor Wahlen wurde die Juristin Selbert regelmäßig für Höheres gehandelt, gilt gar als ministrabel. Dementiert hat sie entsprechende Gerüchte nie. Dass sie niemals wechselte, hing weniger mit ihr, als mit den Misserfolgen der Sozialdemokratie auf Landes- und Bundesebene zusammen. Als sich dann abzeichnete, dass Hilgen gehen wird, witterte Selbert ihre Chance. Und sie schien vieles mitzubringen, was einen Politiker für den Spitzenposten im Kasseler Rathaus prädestiniert.

DER GROSSE NAME

Da ist der große Name: Nachdem die Kasseler SPD ihren Säulenheiligen Karl Branner, Oberbürgermeister von 1963 bis 1975, aufgrund seiner Nähe zu den Nazis schweren Herzens vom Sockel stoßen musste, wäre eine Selbert auf dem Chefsessel Balsam für die Seele der Sozialdemokraten. Susanne Selberts Großmutter Elisabeth Selbert (1896 bis 1986) war eine der Mütter des Grundgesetzes und setzte durch, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Verfassung festgeschrieben wurde.

DIE POLITISCHEN ERFOLGE

Selbert kann auch durch ihre Politik überzeugen. In der Kreisverwaltung gilt sie als effizient arbeitende Managerin, die ihren Mitarbeitern viel abverlangt. Für die Unterbringung und Betreuung der Flüchtlinge erntet sie parteiübergreifend Anerkennung. In der Abfallpolitik stößt ihre Initiative für die Abschaffung des gelben Sacks bundesweit auf Beachtung.

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