64 angehende Kommissare erhielten in Baunatal ihre Urkunden

Polizist aus Überzeugung: Ahmet Altinsoy (links) und Sascha Schmidt (rechts) freuen sich auf ihren Dienstantritt.

Baunatal. Stolz und voller Freude nahmen in der Baunataler Stadthalle nach ihrem Studium 64 junge Polizisten ihre Urkunden entgegen. Darunter ein Drittel Frauen.

Baunatal. Pöbelnde Fußballfans, aggressive Demonstranten oder gar Straftäter, die Polizisten aus dem Hinterhalt beschießen und tödlich verletzen - wie erst kürzlich im US-amerikanischen Dallas passiert. Den Nachwuchs der hessischen Polizei scheint die Gefahr nicht zu schrecken.

Das Interesse am Polizeiberuf sei ungebrochen, sagt Kerstin Kiel, bei der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung zuständig für die Nachwuchsgewinnung. In der Stadthalle Baunatal erhielten nun 64 angehende Polizeikommissare - davon gut ein Drittel Frauen - nach einem sechssemestrigen Studium mit abschließender Bachelor-Arbeit an der Polizeiakademie in feierlichem Rahmen ihre Ernennungsurkunden.

Die hessische Polizei nimmt nicht jeden. Zum Einstellungstermin im kommenden September hätten sich auf 870 Stellen 6000 Bewerber gemeldet, berichtet Kiel. Den harten ganztägigen Eingangstest bestehen längst nicht alle. Bei Ahmet Altinsoy, dem Kasseler mit türkischen Wurzeln, hat es auch erst im zweiten Anlauf geklappt. Seinen richtigen Namen will er - wie die übrigen frischgebackenen Polizeikommissare auch - aus Sicherheitsgründen nicht in der Zeitung sehen. Nach dem gescheiterten ersten Versuch studierte der heute 32-jährige Familienvater erst einmal Psychologie und Wirtschaft. „Die Polizei hatte ich aber immer im Hinterkopf. Ich wollte schon immer Uniform tragen“, sagt er. Altinsoy wird in Frankfurt seinen Dienst antreten. Angst vor seinem Traumberuf hat er nicht. „Ich glaube nicht, dass die Polizeiarbeit in den vergangenen zehn Jahren gefährlicher geworden ist. Es wird nur häufiger über Vorfälle berichtet“, meint er.

„Als Einzelkämpfer können wir nicht bestehen.“

Altinsoys Kollege, nennen wir ihn Sascha Schmidt, denkt ähnlich. „Man muss Respekt vor dem Beruf haben“, erklärt der 29-jährige Schwalmstädter, der in Kassel Dienst tun wird. „Ich finde den Umgang mit Menschen interessant“, sagt Schmidt. Wenn ihm jemand aggressiv begegne, werde er schon rechtzeitig einen schärferen Ton anschlagen. Auch Schmidt hat es im zweiten Anlauf in den Traumberuf geschafft. Nachdem er die Aufnahmeprüfung bei der Bundespolizei nicht bestanden hatte, machte er eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner.

„Sie haben sich einen wunderbaren Beruf ausgewählt“, sagte Polizeidirektor Uwe Papenfuß vom Polizeipräsidium Nordhessen. Dieser sei aber auch gefährlich. Polizisten werde zunehmend mit Respektlosigkeit begegnet, die Gewaltbereitschaft steige. Dennoch sei die Mehrzahl der Polizisten mit ihrem Beruf sehr zufrieden. „Als Einzelkämpfer können wir nicht bestehen.“

Von Peter Dilling

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