Apothekern im Landkreis fehlen die Nachfolger

Viele Jahre im Verband engagiert: Kornelia Hellmuth aus Elgershausen. Auch sie berichtet von Nachwuchsproblemen im Bereich der PTA-Ausbildung. Archivfoto: Fischer/nh

Kreis Kassel. Sowohl im Landkreis als auch in der Stadt Kassel versorgen jeweils 59 Apotheken die Bevölkerung. Die Apothekendichte liegt mit 3970 Einwohner pro Apotheke leicht unter dem hessischen Durchschnitt der Landkreise.

Ein gutes Drittel der Apothekeninhaber in Land und Stadt Kassel wird in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter erreichen. Das geht aus einer Studie des Hessischen Apothekerverbandes (HAV) hervor.

Das Alter der Apothekeninhaber im Landkreis liegt leicht über dem hessischen Durchschnitt von 52,8 Jahren. Im Altkreis Wolfhagen gibt es acht Apotheken. Für viele Apotheker sei es schwer, einen Nachfolger zu finden. Zum einen sei die Umsatzgrenze gestiegen, ab der sich eine Apotheke trägt. Zum anderen werde der Verwaltungsaufwand immer größer, berichtet der Apothekerverband.

Die Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Pharma-Herstellern bedeuteten für Apotheken einen enormen Zusatzaufwand, für den sie keinerlei Aufwandsentschädigung erhalten.

In allen hessischen Landkreisen versorgt nach Angaben des Apothekerverbandes eine Apotheke etwa 3947 Einwohner. Während die Versorgung im Kreis über die vergangenen Jahre stabil geblieben ist, sinkt die Zahl der Apotheken in Hessen kontinuierlich.

„Der Markt an approbierten Apothekern ist wie leer gefegt“, erklärt die Inhaberin der Beyl‘schen Apotheken in Naumburg und Bad Emstal, Johanna Beyl. Auf eine von ihr aufgegebene Stellenanzeige vor einem halben Jahr hätte sich nicht ein einziger Apotheker gemeldet. Genauso schwer sei es, Mitarbeiter zu finden, so Ralf Otto Pferdmenges von der Giesecke-Apotheke in Zierenberg. „Wir haben Nachwuchsprobleme.“ Diese verschärften sich durch die bevorstehende Schließung der PTA-Schule (pharmazeutisch-technische Assistenten) in Kassel. Noch steht eine Nachfolgeregelung für die Ausbildung an den privaten Blindow-Schulen in Kassel in den Sternen.

Von Nachwuchssorgen im Bereich der PTA berichtet auch Kornelia Hellmuth von der Arnika Apotheke in Schauenburg-Elgershausen. „Wenn die Schule wegfällt, kommen keine PTA mehr nach“, sagt die Apothekerin, die viele Jahre im Apothekerverband aktiv war. „Das macht mir schon Sorgen.“

In dem Betrieb an der Korbacher Straße arbeiten zwei Apotheker, zwei pharmazeutisch-technische Assistentinnen und eine pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA). Sollte die Ausbildung in Kassel nicht fortgesetzt werden, werde über kurz oder lang ein Mangel entstehen, sagt Hellmuth.

Von Monika Wüllner, Bea Ricken und Sven Kühling

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