A44: Gutachten zur H-Trasse weckt in Kassel Skepsis

Blick von der Brücke am Lindenkopf in Lohfelden auf die A  7: Derzeit wird die Schallschutzmauer auf Kasseler Seite gebaut. Direkt dahinter schließen sich die Wohnhäuser des Kasseler Stadtteils Forstfeld an. Foto: Naumann

Kassel. Das von der Bürgerinitiative Pro A44 in Auftrag gegebene Gutachten zur H-Trasse durch die Söhre stößt in Kassel eher auf Ablehnung.

Die Kernaussagen wurden vor zehn Tagen von unserer Zeitung veröffentlicht. Selbst zwei der drei Ortsvorsteher aus den unmittelbar an die A7 grenzenden Stadtteile äußern sich skeptisch (Bettenhausen, Waldau) - und das, obwohl die H-Trasse, so das Gutachten, den östlichen Stadtteilen Kassels Entlastung bringen könnte. Ablehnend reagiert auch Stadtbaurat Christof Nolda.

KASSEL 

Christof Nolda

„Wir nehmen das Gutachten zur Kenntnis“, sagt Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Im Kern werde damit aber nur eine alte Diskussion befeuert. „Dabei sind wir im Lenkungskreis bei der Lossetrasse schon so weit, dass wir handfeste Details besprechen - zum Beispiel wo der Autobahnanschluss Papierfabrik hinkommt.“ Auf den ersten Blick biete die H-Trasse natürlich auch Vorteile, jedoch sei auch noch viel im Unklaren. „Bei der Lossetrasse sind wir einfach schon viel weiter.“

BETTENHAUSEN 

Enrico Schäfer

„Der Bau der A 44 ist eine Notwendigkeit, vor allem für die wirtschaftliche Entwicklung hier“, sagt Enrico Schäfer (SPD), Ortsvorsteher von Bettenhausen. So sei schon 1998 die Trassenfindung abgeschlossen worden. Seit dieser Zeit habe sich zusätzliches Gewerbe im Kasseler Osten angesiedelt. Auch seien östlich der Stadtgrenze neue Wohngebiete entstanden, sodass die H-Trasse mit erheblichen Umwegen geplant werden müsste.

„Ohnehin ist fraglich, ob die H-Trasse Bettenhausen tatsächlich entlastet“, sagt Schäfer. Besser sei es, der Lossetrasse ins Auge zu sehen und für Bettenhausen geeignete Lösungen zu finden. „Hier erwarten wir endlich klare Aussagen zur voraussichtlichen Verkehrsentwicklung, zum Erhalt der Anschlussstelle Kassel-Ost und dazu, wie verhindert werden kann, dass Schleich- und Ausweichverkehre Bettenhausen weiter belasten“, sagt Schäfer.

FORSTFELD 

Brigitte Ledderhose

Ortsvorsteherin Brigitte Ledderhose (SPD) kann der H-Trasse durchaus etwas abgewinnen. Ein großer Nachteil der Lossetrasse sei der Wegfall des Autobahnanschlusses Kassel-Ost. „Das wird den Schleichverkehr in unserem Ortsteil entlang des Forstbachweges und der Ochshäuser Straße erheblich verstärken“, sagt Ledderhose. Komme aber die H-Trasse, bliebe die Ab-/Auffahrt Kassel-Ost erhalten.

Zudem werde die H-Trasse zu einer Entlastung des Verkehrs auf der A 7 führen. „Mit der Lossetrasse rollt der ganze Verkehr weiter durch das Kasseler Becken mitsamt Abgasbelastung und Lärm. Da nützt dann auch die neue Schallschutzwand nichts. Denn wenn auch der Lkw-Verkehr zunimmt, wird der verbesserte Schallschutz gleich wieder ad absurdum geführt.“

WALDAU 

Joachim Bonn

Ortsvorsteher Joachim Bonn (SPD) hält nicht viel davon, die H-Trasse erneut aus der Schublade zu holen. „Das kommt zehn Jahre zu spät“, sagt Bonn. Die H-Trasse mache aus Sicht Waldaus nur Sinn, wenn die Bergshäuser Brücke (A 44) im Zuge ihres Neubaus so versetzt werde, dass Lkw keine Berge mehr fahren müssten. „Viele Lkw-Fahrer nutzen ja nur deshalb die A 49 an Waldau vorbei, um sich die Steigungen und Gefälle im Bereich des A 44 /A 7-Dreiecks zu sparen“. Ohnehin würden sich Bund und Land, so vermutet Bonn, kaum auf eine Doppelfinanzierung einlassen. „Jetzt, wo die A 7 bereits achtspurig mitsamt Lärmschutz ausgebaut wird, wird es wohl kaum noch zu einer neuen Bauleitplanung für die H-Trasse kommen.“ Vielmehr sei es wichtiger, auch etwas für den Lärmschutz entlang der Südtangente bei Waldau (A 49) zu tun.

Al-Wazir: „Kein Interview ohne Gutachten“ 

Auch der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) will sich noch zu dem Gutachten der Bürgerinitiative Pro A 44 zur H-Trasse in einem HNA-Interview äußern. Allerdings liege dem Verkehrsministerium das Gutachten noch nicht vor, teilt Sprecher Wolfgang Harms mit. Erst im Zuge des nächsten Lenkungsausschusses am 12. Februar werde das Dokument übergeben. Auf die Frage, ob sich das Ministerium bereits um die Beschaffung des Gutachtens bemüht habe, reagiert Harms ausweichend. „Bevor Al-Wazir das Papier nicht gesichtet hat, wird er auch nichts sagen.“ Wesentliche Inhalte des Gutachtens sind seit 26. Januar bekannt.

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