Deutschlandweit einmaliges Programm

Früherkennung Prostatakrebs: 2775 VW-Mitarbeiter untersucht

VW in Baunatal: Deutschlandweit einmaliges Programm zur Früherkennung von Prostatakrebs
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Ultraschalluntersuchung: Prof. Dr. Björn Volkmer (von links) und Prof. Dr. Reinhard Nöring stellen mit Patient Holger Kunold noch einmal eine Situation im Behandlungsraum im VW-Gesundheitswesen nach. Bei dem 50-jährigen Mitarbeiter war Prostatakrebs diagnostiziert worden.

Baunatal. Seit anderthalb Jahren bietet VW in Baunatal das Programm zur Früherkennung der bei Männern am häufigsten verbreiteten Krebsart an. 2775 männliche Mitarbeiter ab 40 Jahre wurden seither untersucht. 8197 Beschäftigte dieser Altergruppe gibt es insgesamt am Standort.

„Innerhalb von zwei, drei Wochen war die Prostata draußen.“ Holger Kunold ist die Erleichterung über das schnelle Handeln der Ärzte und seines Arbeitgebers VW immer noch deutlich anzumerken. Bei einem Gesundheitscheck im November im VW-Werk in Baunatal hatte das zumindest in Deutschland bei einem Arbeitgeber einmalige Programm zur Früherkennung von Prostatakrebs gegriffen. Kunold lebte mit einem schnell wachsenden bösartigen Tumor der Prostata.

118 Mitarbeiter wurden mit Verdacht auf Krebs in die Sprechstunde von Prof. Dr. Björn Volkmer, Chefarzt der Klinik für Urologie am Klinikum Kassel, weitergeleitet. Diese Sprechstunde findet regelmäßig direkt im VW-Werk statt. 20 Mitarbeiter, bei denen ein bösartiger Tumor diagnostiziert wurde, wurden schließlich behandelt, überwiegend mit Operation. „Keiner hatte vorher Beschwerden“, sagt Volkmer über die Heimtücke der Krankheit. Bei nahezu allen Patienten bestehe eine gute Chance auf dauerhafte Heilung.

Dass das Baunataler Werk als einziger VW-Standort dieses medizinische Angebot bietet, geht auf eine Initiative von Werkleiter Prof. Hans-Helmut Becker zurück. Sein engster Mitarbeiter sei vor einigen Jahren an den Folgen von Prostata-Krebs gestorben, berichtet Becker. Dieser tragische Fall sei seine persönliche Motivation gewesen, etwas zu tun. Bald nach dem Tod seines Mitarbeiters habe er mit dem Klinikum Kassel, im Detail dann mit Björn Volkmer, dieses Modell entwickelt, erläutert der Werkleiter.

Video aus dem Archiv: Vorsorge-Untersuchung

„Weltweit einmalig“

Selbst am VW-Stammsitz Wolfsburg gebe es so etwas bisher noch nicht, so Becker. Prof. Dr. Reinhard Nöring, Leiter des Gesundheitswesens in Baunatal, vermutet sogar, dass weltweit kein vergleichbares Früherkennungsprogramm bei einem Arbeitgeber installiert ist. Über den sogenannten PSA-Wert im Blut macht sich Volkmer auf die Suche nach Prostatakarzinomen. „Wir wollen die entdecken, die für Patienten lebensgefährlich werden“, sagt der Mediziner und warnt vor der weit verbreiteten Annahme: „Jeder denkt, Prostatakrebs ist der Krebs des alten Mannes.“

Holger Kunold, der in Halle 1 des Werkes im Messraum arbeitet, ist jedenfalls voll des Lobes über die Initiative seines Arbeitgebers und die Betreuung durch die Mediziner. Er habe allen seinen Arbeitskollegen gleich geraten, ebenfalls zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen, berichtet der 50-Jährige. Dann hält Kunold noch einmal inne, berichtet von der Zeit, als er die Diagnose Krebs erfahren hat und von der wohltuenden Reaktion des Chefarztes: Volkmer habe ihn in den Arm genommen und gesagt: „Holger, das kriegen wir schon hin.“

Von Sven Kühling

Lautarius
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Ivch habe Prostatakrebs sein 12 Jahren.
Ohne die beschriebene Vorsorge wäre ich schon vergessen.
Der Urologe hatte mit dem Finger Unregelmäßigkeiten festgestellt.
Ich hatte zum Glück den Doktor gewechselt, der alte hätte das sinnlose Nomon gegen geschwollene Prostata verschrieben.
Def PSA Wert lag bei 1,4. Ab 4 soll er positiv auf Krebs weisen..
Derr Doktor bestand auf Biopsie, da waren von 6 Nadeln 2 positiv.
Die Biopsie hat keinerlei Beschwerden gemacht, ist wohl Doktor abhängig!
Da gab es kein langes Überlegen, die Diagnose ist ein Schock.
Ich habe mich, so gut es damals ging, im Internet schlau gemacht und mit Betroffenen gesprochen.
Als bester Operateur galt damals Huland in Hamburg, aber der operierte nur vom Bischof aufwärts, der 2. war Prof Hoffmann in Marburg, der verlangte für potenserhaltende OP 8000 DM.
Die Uniklinik Freiburg setzte radiumbestrahlte Goldstäbchen ein, mit 6 jähriger Garantie.
Mein Doktor hat mich ins Klinikum Kassel überwiesen.
Im Vorgespräch habe ich potenserhaltende OP verlangt. Man sagte mir, daß dies bei meinem Krebs gehe, wenn die Pprostatkapsel noch nicht durchdrungen wäre.
Wichtig dabei ist, das die Hosenträgernerven, welche über die Prostata laufen, erhalten bleiben.
Dr. de Geeter hat mich operiert. Nach 12 Tagen kam der Katheder raus, da bin ich funktionslos ausgelaufen.
Der Krebs hatte die Klasse T2a, N 0, M 0. Ich habe weder Chemo noch Bestrahlung bekommen.
Ich bin hervoragend operiert worden.
Im REHA Zentrum in Reinhardtshausen habe ich pinkeln gelernt, heute bin ich trotz Bier trocken, die Inkontinenz hat ca. 6 Wochen gedauert.
Bei Nießen, schwer heben geht mal ein Tropfen weg, aber damit kann ich leben.
Der Prostatakrebs hat das Übel, wenn zu spät, siedelte er sich gern in Knochen, Leber oder Lunge an.
Ich gehe jetzt jedes halbe Jahr zur Kontrolle, der Wert ist von damals 0,02 auf jetzt 0,24 gestiegen.
Der Doktor vermutet, daß eventuell ein winziger Krebs sich "durchgemogelt" hätte.
Die Impotenz war nach der Op sehr gut, aber im Lauf der Jahre nimmt sie eh altersbedingt ab.
Eines Tages ist Weihnachten öfter!
Ein Jahr später hatte mir ein Autofahrer die Wirbelsäule gebrochen, da vermutete man, daß das durch Krebs kommen könnte, aber der Test war negativ.
Man kann davor nicht weglaufen, jeder muß für sich selbst entscheiten, was er macht oder wie er damit umgeht.
Meine Frau lebt seit 33 Jahren mit Brustkrebs, sie hatte den Knoten selbst entdeckt.
Sie ist auch ohne Chemo und Bestrahlung davon gekommen.
Heute würde sie wohl ohne Verstümmelung operiert, da sich die Erkenntnisse sehr erweitert haben.
Wir sind beide an gute Ärzte gekommen.

Christoph Claus
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Medizinisch gesehen handelt es sich bei der vorsorglichen Bestimmung des Prostata-Wertes im Blut (PSA) um gefährlichen Unfug. Wie bei den meisten "Vorsorge"-Programmen (Mammografie u.dgl.) ist schon das Wort falsch und der (auch volkswirtschaftliche) Nutzen der Unterschung wissenschaftlich widerlegt. Es handelt sich allenfalls um eine Früherkennung. Beim Prostatawert gibt es zu bedenken, das erhöhte Werte mit Sicherheit eines verursachen, nämlich Angst beim Patienten. Zudem, und hier offenbart sich das Interesse des Urologen, muss eine aufwändige Spezialdiagnostik (wer sagt, dass man beim Prostata-stanzen die richtige Ecke trifft?) erfolgen, die den Patienten belastet. Nicht zuletzt macht eine OP die meisten Männer impotent und inkontinent. Ein PSA-Screening verlegt den Zeitpunkt der Diagnose, ändert aber nicht die Überlebenszeit, das haben inzwischen sogar geschäftstüchtige Urologen erkannt (zumindest in Amerika).
Liebe Männer, wollt Ihr lieber 10 Jahre vor Eurem Tod (an was auch immer, eher selten am Prostatakrebs) wissen, dass Ihr krebskrank seid, oder 6 Monate früher? Die Sorgen durch Krankheitsfälle im Bekanntenkreis sind nachvollziehbar, auch die traurigen und erfreulichen Einzelfälle, sie sind aber kein Grund für schlechte Früherkennungsmaßnahmen, die den Namen Vorsorge nicht verdienen.

Azur
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@mastus
Man sollte diesen Bericht eines Dr. Fritz sehr genau lesen. Als Betroffener dieser Prostata-Gefahr kann ich mir ein sehr gutes Urteil erlauben. Ich habe in der Reha mit Patienten gesprochen die zu spät operiert wurden und nur noch eine Lebenserwartung (als 55jähriger) von 3 Jahren hatten. Wenn Sie in der Abhandlung des Dr. Fritz lesen steht unter Punkt 7: d) ein 50-jähriger lediglich ein Risiko von 3% hat, an einem Prostatakarzinom zu sterben. "LEDIGLICH". Möchten Sie einer von den 3 Personen unter 100 sein?

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