Wettbewerb aller VW-Standorte

Azubis aus dem VW-Werk siegen mit einem Elektro-Beetle

Baunatal. Davon kann Sebastian Vettel in der Formel 1 derzeit nur träumen: Die Azubis aus dem VW-Werk Kassel in Baunatal holten mit ihrem selbst konstruierten E-Beetle beim Rennen in Wolfsburg nicht nur die Pole-Position, sondern gewannen anschließend auch das Rennen.

Bei der Veranstaltung an der Auto-Uni ging es aber nicht nur um Geschwindigkeit der ferngesteuerten Mini-Flitzer auf der Rennstrecke. Auch Design, Qualität, Umweltbewusstsein, Autonomes Fahren und Konstruktion wurden bei dem Wettbewerb sämtlicher Volkswagen-Standorte bewertet. Alle Teilaspekte zusammengenommen – am Ende standen die Auszubildenden aus Baunatal ganz oben auf dem Podest. Bei fast allen Disziplinen hatten sie die meisten Punkte geholt.

Viel Technik: So sieht der „Beelectron ERC“ des VW-Werks Kassel unter der Karosserie aus. Unter anderem bauten die Azubis ein Viergang-Getriebe in den Flitzer ein. Rechts ist die Fernsteuerung zu sehen.

Der Wettbewerb am VW-Stammsitz in Wolfsburg sei eine richtig spannende Sache gewesen, berichtet Ausbilder Alexander Termer, der den E-Beetle mit den Azubis über einen Zeitraum von genau zehn Wochen gebaut hatte. „Ich war so nervös beim Rennen, dass ich noch nicht einmal ein Foto machen konnte“, sagt Termer. „Ich war angespannt wie ein echter Formel-1-Teamchef.“

Lediglich einen Grundbaukasten für ein Beetle-Bobbycar bekamen die acht Azubis zu Beginn des Projektes zur Verfügung gestellt. Mit einem Akku-Schrauber als Antrieb und einer Fernsteuerung wurde das Gefährt schließlich zum Wettbewerbsfahrzeug. Viele Schritte seien nötig gewesen, erläutert Rebecca Richly. Als Auszubildende im kaufmännischen Bereich musste die 20-Jährige beispielsweise für jedes Einzelteil ein Angebot einholen. Maximal 500 Euro Budget standen zur Verfügung. Passend zum Getriebestandort Kassel entwickelte die Gruppe unter anderem ein Vierganggetriebe für den Elektroflitzer, der bis zu 50 km/h schnell wird. Die Schaltung habe vor allem beim Rennen Vorteile gebracht, so Ausbilder Termer.

Präsentieren stolz den siegreichen E-Beetle: Die Auszubildenden Rebecca Richly (von links), Alexander Cubiks, Til Haubrich, Alicia Koch, Ausbilder Alexander Termer, Xenia Heinen und Clarissa Wagner, es fehlen Marvin Ried und Dennis Buller. Sie s00etzten sich mit ihrer Konstruktion gegen alle anderen deutschen VW-Standorte durch.

Auch befestigten die Konstrukteure ihre Bauteile in einer Art Baukastensystem – ähnlich dem bei vielen großen VW-Modellen derzeit ganz aktuellen „Modularen Querbaukasten“ (MEB). Das sei gegenüber starren Konstruktionen anderer Standorte besser gewesen, erläutern die Auszubildenden. Leichte Alu-Felgen wurden entworfen und selbst gefräst.

Zehn Wochen waren die jungen Konstrukteure von der üblichen Ausbildung in der VW-Akademie freigestellt. „Hinzu kamen viele Sonderschichten“, sagt der Ausbilder. An mehreren Samstagen habe man sich getroffen, um das Auto zu verbessern.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Nach dem Sieg in Wolfsburg darf sich die Gruppe nun unter anderem auf der Bühne bei der Beetle-Sunshine-Tour in Travemünde präsentieren – mit kostenloser Übernachtung im Hotel.

Rubriklistenbild: © Kühling

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