Anspielung an Martin Luthers Thesen

Plakate am Baugerüst: 95 Gemeindesprüche zieren Evangelische Kirche in Baunatal

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Geschmückt mit ganz spezieller Deko: An der Kirche in Baunatal-Mitte hängen momentan zwei riesige Plakate. Wer sie in einem Zug lesen will, fängt mit dem Plakat rechts, das zur Seite der Rudolf-Diesel-Straße hängt, an.

Baunatal. Die evangelische Kirche in Baunatal ist momentan komplett eingerüstet, da das Gründach des Gotteshauses erneuert wird.

Wenn man die Theodor-Heuss-Allee entlang fährt, fallen allerdings zuerst zwei riesige Plakate, die an dem Gerüst hängen, ins Auge.

„Auffahrunfälle hat es aber noch keine gegeben“, sagt Pfarrer Günter Törner schmunzelnd. Bevor er die Plakate anbringen ließ, habe er sich auch das Okay der Stadtverwaltung geholt.

Günter Törner

Die Aktion ist eine Anspielung auf Luthers 95 Thesen, die dieser vor 499 Jahren an die Kirche in Wittenberg anschlug. Statt Thesen hängen in Baunatal 95 Sprüche aus der Gemeinde. Sprüche, da sie eine Hilfe zum Leben und das Evangelium die freimachende Botschaft sei, die allen Menschen gilt, sagt Törner.

Es sind Worte, die in der Gemeinde bei Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen Verwendung fanden. „Sprüche aus der Schrift spielen im Kirchenleben also eine wichtige Rolle“, sagt Törner. Sie würden meist in Übergangssituationen den Menschen gesagt, sagt Törner. Diese Worte verbunden mit dem Leben seien ein Halt und eine Hilfe zum Leben, Schutz und Begleitung vor allem Argen, Stärke und Orientierung auf dem Lebensweg.

„Die Plakate sollten auffallen. Ich wollte, dass die Menschen sich darüber unterhalten, manches nicht gleich verstehen und mich ansprechen“, sagt Törner. Das sei schon ein paar mal passiert. Zum Beispiel mit einem seiner Lieblingssprüche „Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider“. Der Spruch stammt nicht, wie die meisten anderen aus dem Gemeindeleben, sondern von einem Freund Törners. Der Spruch habe dem Kommilitonen Mut gegeben, „er hat mir erzählt, ohne den hätte er das Studium nicht überstanden“.

Der Pfarrer erklärt den Sinn so: „Kleider sind nur äußerlich, will man Veränderung, dann muss man innen anfangen, etwas im Herzen verändern“.

Ein einziger Spruch findet sich auf den Plakaten der nicht auf Deutsch ist. Es ist nicht etwa Latein, wie einige Baunataler vermuteten, sondern Italienisch. Es sein ein kleiner Gruß an den italienischen Nachbarn, sagt Törner.

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