Verfahren ist weltweit Vorreiter

B.Braun und Viessmann entwickeln Wärmerückgewinnung für die Dialyse

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Sind stolz auf die neue Anlage zur Wärmerückgewinnung: (von links) Rüdiger Salamon, Projektleiter Viessmann, Kerstin Wunderlich, Mitbegründerin Nephrologisches Zentrum Baunatal, und Alexander Rohde, Projektleiter B.Braun.

Baunatal. Dialyse ist ein sehr energieintensives Verfahren: Fast ein Drittel der Betriebskosten sind Energiekosten, erklärt B.Braun Fachmann Alexander Rohde.

Im Nephrologischen Zentrum (Nierenzentrum) Baunatal ist es bereits um einiges weniger. Es ist weltweit Vorreiter. Denn dort kommt ein innovatives Verfahren zum Energiesparen zum Einsatz, das die regionalen Unternehmen B.Braun und Viessmann gemeinsam entwickelt haben: Die systemübergreifende Wärmerückgewinnung.

Dialyse

Dr. Michael Burg vom Zentrum erklärt wie Dialyse funktioniert: Patienten mit chronischem Nierenversagen müssen in der Regel dreimal pro Woche eine etwa vierstündige Dialysetherapie in Anspruch nehmen. Denn die Urinproduktion und die Bestandteile des Urins - also Wasser und Abfallstoffe - sammeln sich im Körper an und ohne Therapie eine so genannte Harnvergiftung (Urämie) entstehen kann. Bei der Hämodialyse wird das gesamte Blut mit Hilfe eines speziellen Filters, eines sogenannten Dialysators, gereinigt. „Dialyse hat manchmal ein recht negatives Image“, sagt Dr. Burg, „dabei sollte man aber bedenken, dass es das einzige Verfahren ist mit dem man eine lebenswichtige Organfunktion langfristig und sicher ersetzen kann“.

Wasserverbrauch

Für eine Standardtherapie werden im Schnitt 150 Liter Wasser benötigt. Aufs Jahr hochgerechnet ist das in einem durchschnittlichen Therapiezentrum mit 106 Patienten so viel wie ein olympischer Swimmingpool, sagt Rohde. Die Stromkosten pro Jahr betragen dafür laut B.Braun etwa 13.000 Euro pro Zentrum. Die Dialysierflüssigkeit muss von einer Wassereingangstemperatur in Höhe von rund 12 Grad auf eine Prozesstemperatur von 37 Grad erwärmt werden. Für gewöhnlich fließt das warme Abwasser direkt nach der Blutwäsche ungenutzt in den Abfluss.

Wärmerückgewinnung

Mit dem neuen Verfahren wird diese Wärme weiter genutzt. Der Grundsatz ist simpel: Die im Abwasser enthaltene Restwärme wird zur Vorwärmung des notwendigen Frischwassers benutzt. Dazu wurden zwei Wärmetauschern mit zur Patientensicherheit getrennten Wasserkreisläufen installiert. Diese werden dauerhaft per Fernwartung überwacht. Rohde erklärt den Prozess: Mittels der Wärmeaustauscher kann aus dem 37 Grad heißen Abwasser Energie in Höhe von 16 Grad entzogen werden. Damit wird das Leitungswasser auf 28 Grad aufgeheizt. Den Rest leisten integrierte Heizsysteme des Dialysegerätes. Damit sparen Dialysezentren 17 Prozent Energie. Mit Hilfe eines Kraft-Wärme-Kopplung-Heizsystems mit Photovoltaikanlage zur Erzeugung eigenes Stroms könnte noch mehr gespart werden.

Kooperation

B.Braun und Viessmann sind stolz auf ihr branchenübergreifendes Projekt: „Indem wir dem kalten Eingangswasser durch zentrale Wärmerückgewinnung Energie zuführen, sparen die Dialysezentren rund 10.000 Kilowattstunden pro Jahr und reduzieren somit ihre Stromkosten. Gleichzeitig schonen wir die Umwelt,“ sagt Martin Kuhl von B.Braun. Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht etwa 4000 Kilowattstunden pro Jahr. Der Geschäftsführer der Viessmann Deutschland, Dr. Frank Voßloh, hob hervor, dass es sich um eine branchenübergreifende und gemeinsam entwickelte Lösung handelt, die Maßstäbe für Energieeinsparung im Dialysebereich setzt. „Eine innovative Lösung zweier Familienunternehmen aus Nordhessen für die ganze Welt.“ Die beteiligten Unternehmen wollten auf Anfrage keine Angaben zur Höhe der Investitionen für Entwicklung und Gerät machen.

Archivvideo: Die Dialyse

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