1000 Kubikmeter des Brennstoffs in der Baustelle des neuen Rückhaltebeckens

Baunatal ein Braunkohle-Revier?

Braunkohle aus Baunatal: Etwa 1000 Kubikmeter des fossilen Brennstoffs liegen derzeit in Form eines schwarzen Haufens auf der Baustelle des Hochwasserrückhaltebeckens an der Hunsrückstraße. Im Hintergrund ist das VW-Werk (links) zu sehen. Fotos: Naumann

Baunatal. Baunatal ein Braunkohle-Revier? Es könnte der Eindruck entstehen angesichts des großen, braunen Haufens, der auf dem 4,9 Hektar großen Bauareal des neuen Hochwasserrückhaltebeckens an der Hunsrückstraße zu sehen ist.

Der Haufen hat ein Volumen von etwa 1000 Kubikmetern und ist tatsächlich Braunkohle, die beim Ausheben des sogenannten Wasserauslasses im Rückhaltebecken - immerhin 7,50 Meter tief, 38 Meter lang und fast zwölf Meter breit - zutage getreten ist.

Kohle ist mit Sand vermischt 

„Braunkohle ist eigentlich zu viel gesagt“, sagt Thomas Hardt vom Kasseler Baugrund-Institut, der sich als Gutachter vor Baubeginn den Untergrund des Rückhaltebeckens genau angesehen hat. „Eher handelt es sich um Braunkohle-Schluff, der etwa zwei bis drei Meter dick im Untergrund gelegen hat.“ Schluff bedeute, dass die Braunkohle stark mit feinem Sand und Ton-Partikeln durchsetzt sei. „Der organische, also brennbare Anteil beträgt etwa 50 Prozent“, sagt Hardt. Der Rest bestünde aus Wasser und unbrennbaren Materialien.

Immer nur kleine Mengen 

Hat also der Abwasserverband Baunatal-Schauenburg möglicherweise ohne es zu wollen einen Schatz gehoben? Denn tatsächlich unterscheidet sich die Braunkohle von der Hunsrückstraße in ihrer Zusammensetzung nicht deutlich von der, die beispielsweise in den großen Lagerstätten der Lausitz oder des Rheinlandes gefördert wird.

„Nein“, sagt Hardt. Selbst wenn die Baunataler Braunkohle tatsächlich zur Energiegewinnung genutzt werden könnte, „sie kommt hier zwar regelmäßig, aber stets nur in geringen Mengen vor.“ So handele es sich bei dem Vorkommen im Bereich des Rückhaltebeckens nur um eine kleine Kohle-Linse in etwa zwei bis drei Metern Tiefe, deren Abbau sich wohl nicht lohne. „Insofern nichts Spektakuläres. Nur uns Baugrund-Gutachtern macht das Sorge, weil sich auf Braunkohle grundsätzlich kein Bauwerk gründen lässt.“ So sei es dringend notwendig gewesen, vor dem Bau des Auslasses die Braunkohle zu entfernen.

Kohle 65 Mio. Jahre alt 

Entstanden sei die Kohle vor etwa 65 Millionen Jahren. Damals spuckten rund um Kassel Vulkane, das Gelände wurde regelmäßig von Meerwasser überflutet. „In dieser Zeit gab es viel tektonische Bewegung“, sagt Hardt. Der Untergrund hob und senkte sich. „Immer wieder wurden dabei große Wälder, aber eben auch nur kleine Wald-Areale wie im Bauna-Tal überschwemmt. Sedimente wie Sand und Lehm schlossen die Vegetation luftdicht ein, immer neue Schichten von oben erhöhten den Druck, Braunkohle entstand. „Die gesamte Hessische Senke von Kassel bis nach Frankfurt weist immer wieder Braunkohlevorkommen auf. Größere Lagerstätten wie in Borken, im Habichtswald oder am Hohen Meißner wurden dann ja auch abgebaut.“

Doch für die Menschen in Baunatal gibt er Entwarnung. Es sei völlig unsinnig, die kleinen Vorkommen hier irgendwie nutzen zu wollen.

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