200 informierten sich über neue Standorte für Flüchtlingsunterkünfte

Großes Interesse am Flüchtlingsthema: Der Stadtverordnetensaal war bei der Bürgerversammlung bis auf den letzten Platz besetzt Fotos: Dilling

Baunatal. Neue Unterkünfte für insgesamt bis zu 170 Flüchtlinge könnten dieses Jahr in Baunatal geschaffen werden.

Diese Nachricht nahmen geschätzte 200 Bürger aus der Informationsveranstaltung der Stadt Baunatal Mittwochabend im vollbesetzten Stadtverordnetensaal mit nach Hause.

Die meisten Besucher nahmen die Information aber offensichtlich gelassen auf, hitzige Diskussionen gab es kaum. Mit einer Ausnahme: Die Bestatter-Familie Wicke protestierte scharf gegen das Vorhaben, in dem ihrem Unternehmen benachbarten Gasthaus Wicke bis zu 60 Flüchtlinge unterzubringen. Kritik gab es auch an der Informationspolitik der Kirchengemeinde Altenritte/Großenritte, die mit dem Kreis in Verhandlungen über die Vermietung des Gemeindehauses in Altenritte an Flüchtlinge steht.

Vier Standorte

Laut Jörg Roßberg vom Landkreis Kassel sind vier Standorte als mögliche Unterkünfte in die engere Wahl gezogen worden: Eine ehemalige Gewerbehalle an der Lindenallee, wo bis zu 70 Asylbewerber nach einem Umbau einziehen könnten, ein Rohbau am Medizinischen Versorgungszentrum an der Stettiner Straße, wo nach Fertigstellung bis zu 20 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge in betreuten Wohngruppen untergebracht werden könnten, und das Gemeindehaus Altenritte, wo bis zu 30 Flüchtlinge Platz finden könnten.

„Mietvertrag abgeschlossen“

In trockenen Tüchern ist laut Roßberg und Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) aber nur die geplante Flüchtlingsunterkunft im seit Jahren geschlossenen Gasthaus Freitag in Altenbauna. Dort sei ein Mietvertrag mit dem neuen Eigentümer des Gebäudes über die Unterbringung von zunächst 50 Flüchtlingen abgeschlossen worden, sagte Roßberg. Es sei aber dort Platz für 60 Asylbewerber. Der Eigentümer werde es bis Anfang Mai bezugsfertig machen.

Für die benachbarte Bestatter-Familie Wicke ist das offensichtlich ein Alptraum. „Wir werden das nicht kampflos hinnehmen“, sagte Heiko Wicke. Er habe nichts gegen Flüchtlinge an sich, doch die geplante Zahl sei einfach viel zu hoch. Die Asylbewerber würden, wenn sie sich im Freien aufhalten, diirekt vor dem Schaufenster seines Bestattungsinstituts stehen, erklärte Inhaber Reinhard Wicke. Der neue Eigentümer des Gasthauses zeige keinerlei Gesprächsbereitschaft. Es gehe nur um finanzielle Interessen. Er überlege, mit seinem Unternehmen fortzuziehen, sagte Heiko Wicke.

„Nachbarschaft pflegen“

Bürgermeister Manfred Schaub will die beiden Parteien zu einem klärenden Gespräch ins Rathaus einladen. Richard Dettmar rief die Baunataler dazu auf, gute Nachbarschaft zu den Asylbewerbern zu pflegen. Als die Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Ostgebieten gekommen seien, „wollten die Menschen hier erst mal nichts damit zu tun haben“, sagte er.

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