Auf Baunataler Hauptfriedhof: Kotbeutel trotz Hundeverbots

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Ein ungewöhnlicher Anblick: Der Spender mit Hundekotbeuteln hängt direkt unter dem Tierverbot der Friedhofsordnung.

Baunatal. Ist das Mitbringen von Tieren auf dem Baunataler Hauptfriedhof nun erlaubt oder nicht? Folgt der Besucher mit Hund von der Kleingartenanlage aus kommend der Beschilderung auf dem Friedhofsgelände, kann er mächtig ins Grübeln geraten.

Das Mitbringen von Tieren ist laut Friedhofsordnung nämlich untersagt, doch gleichzeitig ist ein Behälter mit Hundekotbeuteln direkt unter dem Schild befestigt.

Ein ungewöhnlicher Anblick: Der Spender mit Hundekotbeuteln hängt direkt unter dem Tierverbot der Friedhofsordnung.

In der Friedhofsordnung heißt es: „Insbesondere nicht gestattet: [...] Das Mitbringen von Tieren, ausgenommen sind Blindenhunde.“ Sollten die Hundekotbeutel also für Menschen mit Sehbehinderung und ihre Blindenhunde sein? Irgendwie wäre das auch ein Widerspruch. Wozu dienen also die Hundekotbeutel, wenn Tiere so ausdrücklich auf dem Friedhof verboten sind? Im Baunataler Rathaus sieht man das so: Da der Weg an der Bauna aufgrund von Bauarbeiten zurzeit gesperrt sei, müssten die Hundebesitzer auf die Friedhofswege ausweichen, sagt Susanne Bräutigam, Pressesprecherin der Stadt Baunatal. „Auf den ersten Blick widerspricht es sich und ist vielleicht nicht so ganz passend“, sagt sie, aber nach Anregungen der Bürger habe man den Spender für Hundekotbeutel aufgehängt.

Widersetzen?

Ob der Behälter auch nach den Bauarbeiten noch zur Verfügung stehe, konnte Bräutigam auf HNA-Nachfrage nicht sagen. Offen bleibt auch, ob man sich als Hundebesitzer der Friedhofsordnung einfach für die Zeit der Bauarbeiten widersetzen soll.

Kurioses Bild

Da das Tierverbot für den Friedhof nicht aufgehoben wurde, ist es nach rein rechtlicher Lage weiterhin gültig (siehe Hintergrund). Die Hundekotbeutel allein dürften nicht als Erlaubnis gelten, die Friedhofswege mit Tier zu nutzen, auch wenn andere Wege aufgrund von Bauarbeiten gesperrt sind. Deshalb bleibt es auch auf den zweiten Blick ein kurioses Bild, das sich den Friedhofsbesuchern bietet und reichlich Fragen aufwirft.

Hintergrund

Das Friedhofs- und Bestattungsgesetz besagt, dass das Friedhofswesen Gemeindesache ist. Manuela Siedenschnur, Referentin für Friedhofsrecht beim Hessischen Städte- und Gemeindebund, erklärt, dass eine Friedhofsordnung als örtliches Gesetz der Gemeinde gelte und Ordnungswidrigkeiten jederzeit geahndet werden könnten. Nach einem Verstoß gegen die Friedhofsordnung müsse man also unter Umständen mit rechtlichen Folgen rechnen.

Von Lara Thiele

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