Digitalisierung verändert Ausbildung: VW-Azubis lernen mit dem Tablet

Digitales Lernen: Die Azubis Michelle Schäfer (von links), Dominik Bleitner und Martin Skwarski lernen schon regelmäßig mit dem Tablet. Dieses löst nach und nach das herkömmliche Messgerät ab. Fotos: Kühling

Baunatal. Der Einzug von digitalen Techniken verändert das Berufsleben. Auch in der Ausbildung in der Akademie des VW-Werk Kassel in Baunatal ist Digitalisierung ein großes Thema.

Schon bald wird ein Karosserieteil, das die Produktionslinie im VW-Werk durchläuft, Informationen mit sich führen. Über einen Speichercode sagt es den Maschinen, wie es genau bearbeitet werden muss, damit das optimale Ergebnis herauskommt. Dieses Beispiel ist nur ein Teil des technischen Fortschritts im Autobau, der unter dem Stichwort Digitalisierung zusammengefasst wird. In der Ausbildung in der Akademie des VW-Werk Kassel in Baunatal wird Digitalisierung schon jetzt zum großen Thema.

„Digitalisierung und Industrie 4.0 - das existiert bei uns längst“, sagt Hermann Hartig, Chef der Volkswagen Akademie in Baunatal. Vor zwei Jahren habe es bereits den Auftrag aus dem Konzern gegeben, sich intensiv damit zu beschäftigen. Der Ausbildungszweig der Mechatroniker arbeitet inzwischen mit Tablets. Die anderen Lehrberufe sollen laut Hartig bald folgen.

Eingesetzt wird das Tablet mit dem Namen Tec2Screen der Firma Festo quasi als Ausbildungshelfer. So lassen sich damit beispielsweise Schaltkreise simulieren und Messgeräte wie Oszilloskope ersetzen. „Damit könnte ich jetzt ein hydraulisches Ventil steuern oder Pneumatik“, erläutert Martin Skwarski, Auszubildender im zweiten Lehrjahr. Ein entsprechendes Programm auf dem Computer zeige sofort an, ob die Schaltung funktioniert. Die Arbeit mit dem Tablet habe den großen Vorteil, dass jeder in seinem eigenen Lerntempo arbeiten könne, ergänzen die Ausbilder Ralf Gunkel und Stefan Matthias. Das Tablet gebe die Antworten auf elektronischem Weg.

„Das ist noch längst nicht alles.“

Der Umgang der Azubis mit den neuen Geräten wirkt vertraut. „Ich arbeite ja zu Hause auch mit dem Handy, dem Tablet und dem Laptop“, sagt Michelle Schäfer, die ebenfalls im zweiten Lehrjahr bei den Mechatronikern lernt. Über das Internet zu Hause besorgen sich die jungen Leute zudem immer häufiger Informationen, die sie wiederum in der Ausbildung nutzen können.

„Ich habe früher auch mit Büchern gelernt“, erläutert Martin Skwarski. Heute sei es kein Problem mehr, sich ein Lösungsvideo für eine Mathe-Aufgabe auf Youtube anzuschauen.

Von diesem selbstverständlichen Umgang des Nachwuchses mit digitaler Technik profitiere letztendlich wieder der Autobauer, sagt Hartig. Die Ausbildungs-Apps werden mit Informationen der Azubis weiterentwickelt.

Der Akademie-Chef ist dennoch davon überzeugt, dass handwerkliche Grundfertigkeiten bei jedem Auszubildenden erhalten bleiben müssen. „Das Tablet repariert keine Maschine.“

Die digitalen Medien, so prophezeit Hermann Hartig, werden „schneller als wir es alle erwarten“ Einzug in die Produktion nehmen. „Das ist noch längst nicht alles.“

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