Elektroautos brauchen keine herkömmlichen Getriebe

Diskussion um Verbrennungsmotoren: Was wird aus Getriebebau im VW-Werk?

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Eine wichtige Zukunftstechnologie: Der E-Motor. In Baunatal werden bislang alle Elektroantriebe für den VW-Konzern gebaut.

Baunatal. Gibt es ab dem Jahr 2030 in Deutschland keine neuen Autos mehr mit Verbrennungsmotor? Das sieht zumindest ein Vorstoß der Grünen und des Bundesrates vor.

Für das VW-Werk Kassel in Baunatal könnte der daraus folgende Ausbau der Elektromotoren-Fertigung eine umfassende Neuausrichtung mit sich bringen – weg vom Getriebebau hin zum Bau von E-Antrieben. Denn: Elektroautos brauchen keine herkömmlichen Getriebe mehr.

Aktuell läuft die Produktion von E-Motoren noch auf Sparflamme. Die Nachfrage nach E-Golf und Co. ist wegen der geringen Reichweiten (im neuen Modell wohl bis zur 300 Kilometer) und des hohen Preises noch mäßig. Der Schwerpunkt der Arbeit in der nordhessischen Fabrik mit 17 000 Beschäftigten liegt auf dem Getriebebau – 16 000 Einheiten vom Handschalter bis zum Direktschaltgetriebe werden täglich gefertigt.

Werkleiter Thorsten Jablonski äußerte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema. Hinter vorgehaltener Hand wird gemutmaßt, dass das Thema E-Mobilität und die Auswirkungen auf das Werk in Baunatal Teil des so genannten Zukunftspaktes ist, den der Vorstand aktuell mit dem Betriebsrat verhandelt. Dabei sollen die renditeschwache Kernmarke Volkswagen und die Produktionsstandorte neu aufgestellt werden. Stellenabbau wird nicht ausgeschlossen. So lange die Verhandlungen liefen, so ist zu hören, wolle sich niemand im Baunataler Werk zu Einzelheiten äußern. Und was ist, wenn Baunatal die E-Motoren-Sparte an einen anderen Standort verlieren würde?

Am vergangenen Montag hatten wir Jablonski um eine Einschätzung gebeten. Unter anderem wollten wir wissen, ob ein Verbot von Verbrennungsmotoren eine Chance für das Werk bedeuten könnte. Und: Ob eine Ausweitung der E-Motoren-Fertigung einen zu erwartenden Abbau im Getriebebau ausgleichen kann. Dazu gab es vom Werkleiter keine Antworten.

Die Pressestelle im Baunataler Werk teilte gestern Nachmittag lediglich allgemeine Aussagen des Konzerns zur Thematik mit. Hier Auszüge: „Grundsätzliche Position des Volkswagen Konzerns zur Diskussion über ein Verbot der Zulassung von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor nach 2030: Der Volkswagen Konzern nimmt seine Verantwortung für das Erreichen der Klimaschutzziele, bei der Verbesserung der Luftqualität und der Lärmreduktion in den Städten sehr ernst. Mit der Strategie 2025 hat sich der Volkswagen Konzern klar für die Reduktion von Emissionen ausgesprochen: mehr als 30 neue Elektromodelle bis 2025 – darunter der in Paris vorgestellte I.D. – eine eigene Plattform für Elektrofahrzeuge sowie unser Engagement für den Ausbau der Schnellladeinfrastruktur unterstreichen das.“

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