Ehemaliger Einzelkandidat für Bundestagswahl: „Werde ich nicht wieder machen“

Trat zur Bundestagswahl 2013 als Einzelbewerber an: Werner Bracht aus Großenritte. Inzwischen arbeitet er wieder für seine Firma zur Entwicklung von Software für Kaufleute. Foto: Kühling

Baunatal. „Ohne Partei in den Bundestag" - so lautete der Titel in der HNA vor der Bundestagswahl im September 2013. Gemünzt war der Artikel auf Werner Bracht aus Großenritte.

Der heute 66-Jährige trat damals als einer der ganz wenigen Einzelbewerber ohne Parteizugehörigkeit im Wahlkreis 167 an.

Heute arbeitet Werner Bracht wieder in seiner Firma zur Entwicklung kaufmännischer Software in Großenritte.

Noch nie hat es ein Einzelbewerber in den Bundestag geschafft. Diesem Schicksal musste sich auch der Großenritter bei der Wahl im September 2013 beugen. „Ich habe ein paar Hundert Stimmen bekommen“, sagt Bracht, der sich und seine Politik damals unter dem Titel „Waldecker Demokratie“ präsentierte.

Sein Engagement richtete sich vor allem dagegen, dass ausschließlich die Parteien im Bundestag das Sagen haben. Im Grundgesetz stehe aber, „alle Staatsgewalt geht vom Volk aus“, sagt der Großenritter. „Nirgendwo steht, dass die Macht von den Parteien ausgeht.“

So sieht er seine Kandidatur von damals auch heute noch mit gemischten Gefühlen. Geärgert habe ihn schon etwas, dass das Fernsehen überhaupt nicht über ihn als Einzelbewerber berichtete. „Denn: Man hat als Unabhängiger nur eine Chance, wenn man im Fernsehen auftreten kann.“ Und immerhin: 18.000 Euro habe ihn der Wahlkampf gekostet.

„Besonders gefreut habe ich mich damals über die Einladungen zu Diskussionsveranstaltungen, die von kleineren Vereinen organisiert wurden“, sagt Bracht. „Das hat mir viel Spaß gemacht.“ Gemeinsam mit seiner Tochter und weiteren drei Mitarbeitern ist Bracht nun wieder für seine Firma „Bracht - Software für Kaufleute“ tätig. Das Unternehmen in dieser Form gibt es seit fünf Jahren, zuvor arbeitete Bracht in dieser Branche ebenfalls als Einzelkämpfer.

Das Unternehmen entwickelt vorrangig Computerprogramme für Lohn- und Gehaltsabrechnungen. „Unsere besondere Stärke ist die Software für Werkstätten für behinderte Menschen“, erläutert Werner Bracht. „Zusätzlich haben wir auch eine Personalverwaltung“, ergänzt Mitarbeiterin Katharina Lewandowski. Zu den Kunden gehören Firmen mit einem Mitarbeiterstamm von fünf bis etwa 5000 Beschäftigten.

Aus dem politischen Geschäft hat sich Werner Bracht weitgehend zurückgezogen. Doch ganz lässt den Baunataler die große Politik nicht los. „Ich will meine Ideen vielleicht als Buch rausbringen“, sagt er. Und wird er zur nächsten Bundestagswahl vielleicht noch mal als unabhängiger Kandidat antreten? Bracht: „Das werde ich nicht wieder machen.“

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