„Ich dachte, mein Werk brennt ab“:

Ehemaliger Leiter erinnert sich an Großfeuer im Baunataler VW Werk

Weithin sichtbar: Flammen und Rauchsäule waren mehr als 20 Kilometer weit zu sehen. Archivfoto: Koch

Baunatal. Heute  vor zehn Jahren gab es einen der größten und spektakulärsten Brände in der Region. Im Baunataler VW-Werk hatte sich explosionsartig Magnesiumschrott entzündet.

Ausgelöst wurde der Brand vermutlich durch einen Blitzschlag. An den 13. Mai 2006 erinnert sich Hans-Helmut Becker (67) noch ganz genau: „Als ich auf der Autobahn über die Kuppe bei Hertingshausen kam, habe ich die Flammen gesehen. Da liefen mir die Tränen. Ich dachte, mein ganzes Werk brennt ab.“

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Der ehemalige Werkleiter des VW-Werk Kassel mit damals schon knapp 15.000 Beschäftigten beschreibt damit einen der größten Brände in der Region der vergangenen Jahrzehnte. Magnesiumteile auf einem Schrottplatz neben der VW-Gießerei hatten sich explosionsartig entzündet. Möglicherweise durch einen Blitzschlag. Der grelle Feuerschein war weithin zu sehen. Die Rauchsäule stieg Hunderte Meter über der Fabrik empor. 300 Feuerwehrleute rückten aus. Erst nach 14 Stunden Dauereinsatz waren die letzten Flammen gelöscht.

Ruhe bewahren: Der damalige Feuerwehrchef im Baunataler VW-Werk, Rolf-Martin Barkhof, dirigiert die Löscharbeiten. Diese gestalteten sich äußerst schwierig, weil Magnesium nicht mit Wasser zu löschen ist. Auch Schaumlöschmittel hat nur geringe Wirkung. Archivfoto: privat / nh

Becker hatte Sorge um die Frauen und Männer, die zu dieser Zeit in den Hallen arbeiteten. Glücklicherweise wird niemand bei dem Großfeuer verletzt. Becker verfolgte die Szenerie vom Dach der benachbarten Halle 5 aus. „Ich wollte sehen, was los ist.“ Er lobt heute noch einmal die Arbeit der Feuerwehren. „Wenn die Flammen auf die Gießerei übergegriffen hätten, dann hätte das schlimme Folgen für VW gehabt.“

Einsatzleiter der Feuerwehr war damals Rolf-Martin Barkhof. „Das sind Dinge, die man im Berufsleben nur einmal hat“, sagt der heute 66-jährige ehemalige Chef der Werkfeuerwehr.

Auch er hat die Szenerie an diesem Abend im Mai noch genau vor Augen. Trotz des Ausmaßes des Feuers habe er beim Eintreffen am Brandherd keinen Schrecken bekommen. „Die Werkfeuerwehr hatte die richtigen Maßnahmen schon eingeleitet. Ich wusste, wir kriegen das in den Griff.“ Barkhof betont, dass die Löscharbeiten vor allem so gut funktionierten, weil das Team aus Werkfeuerwehr, der Berufsfeuerwehr Kassel und der Freiwilligen Feuerwehr Baunatal so gut zusammengearbeitet habe. Unzählige Helfer - von der Werktechnik über die Polizei bis zu den Mitarbeitern in den Küchen - hätten großen Anteil am Erfolg. „Das sind die Helden“, betont Barkhof.

Erleichtert: Das Bild zeigt Feuerwehrmann Peter Nückel (links) und Prof. Hans-Helmut Becker am Einsatzort 2006.

Der Einsatzleiter selbst hat mit seiner ruhigen analysierenden Art sicher erheblichen Anteil daran, dass niemand zu Schaden kam. Er sei mit ganzem Herzen Feuerwehrmann gewesen, sagt er heute knapp. „Bei der Arbeit war ich konzentriert. Da blendet man alles andere aus.“ Somit habe er die enorme Hitze - der Magnesiumschrott brannte mit einer Temperatur von 3000 Grad - nicht bewusst wahrgenommen. „Es war etwas warm im Gesicht und auf der Haut.“

Magnesium wird extrem heiß 

Die Verantwortlichen im VW-Werk gehen davon aus, dass das Feuer durch einen Blitzschlag entzündet wurde. Begünstigend sei gewesen, dass der Schrottplatz feucht gewesen sei „und sich teilweise größere Wasserlachen dort befanden“. Magnesium wird bei einem Brand extrem heiß und spaltet Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff auf.

Nach dem Brand wurde deshalb auf dem Schrottplatz ein Abflusssystem errichtet, um Wasseransammlungen zu vermeiden. Außerdem wurden ein Dach und eine Blitzschutzanlage gebaut. Der Magnesiumschrott ist schon kurz nach dem Brand weitgehend von dem Platz verschwunden, weil eine neue Recyclinganlage in Betrieb genommen wurde. Auf dem Platz lagern inzwischen vorrangig Aluminiumteile.

Es waren vor allem fehlerhafte Getriebegehäuse aus Magnesium, die dem Feuer Nahrung gaben. Die Schrottteile sollten in der Gießerei eingeschmolzen und dann zu Automatikgetrieben für Audi verarbeitet werden

Fotos und Videos von dem Brand gesucht: 

Viele Menschen in der Region haben den Brand 2006 im VW-Werk hautnah miterlebt. Sie haben zum Teil von benachbarten Hügeln aus erste Handy-Videos erstellt und Fotos geschossen. Schicken Sie uns diese in einer E-Mail zu unter: kreiskassel@hna.de Temperatur von 3000 Grad - nicht bewusst wahrgenommen. „Es war etwas warm im Gesicht und auf der Haut.“

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