Strecke von Großenritte nach Niedenstein

Erinnerung an das Langenberg-Rennen: Mit über 200 zum Jakobsbörnchen

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In der Kurve: Die Zuschauer verfolgten das Renngeschehen hautnah. 

Baunatal. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht stehen sie da: Alfa Romeo Spider Veloce, Abarth 1300, BMW 1800 TI, Lotus Elan und Mercedes 230 SL. Und natürlich der knallrote Porsche 904 GTS von Willi Bartels. Dem späteren Sieger.

Vom Fahrerlager an der Großenritter Kulturhalle sind sie mit zuckenden Gasstößen losgerollt. Bis zur Startlinie, wo Karl-Bernd Apell mit den Fingern herunterzählt und die röhrenden Flitzer auf die Hatz nach Sekunden zwischen den Fischteichen, Eichwiesen und Jakobsbörnchen schickt.

Karl-Bernd Apell (links) schickt 1968 einen Formel-3-Rennwagen auf die Strecke. Daneben stehen Hans Daute und Klaus Zimmermann.

Mit dicken Filzschreibern notieren Helferinnen im Eingangsbereich der Großenritter Kulturhalle die Zeiten der Rennfahrer auf großen Papierwänden. Computertechnik - zu dieser Zeit Fehlanzeige. Zuschauer und Teilnehmer können sich hier informieren. Wer war der Schnellste auf der kurvenreichen Strecke zwischen Großenritte und Niedenstein? Wer bekommt Punkte für die deutsche Bergmeisterschaft? Am 19. und 20. September 1964 startete der Kurhessische Motorsport Club Kassel (KMCK) das 1. Langenberg-Rennen. Bis 1969 fand die Veranstaltung statt - 1986 und 1987 noch zweimal in Neuauflage, organisiert vom NMC Baunatal. Gesamtsieger 1986: der Kasseler Johannes Breuer auf Mercedes 190 E 2.3-16.

Zum ersten Rennen 1964 strömten etwa 5000 Fans an die Strecke, beim vorerst letzten 1969 waren es über 12 000. Die Rennleiter waren in dieser Zeit die KMCKer Dr. Dietrich Heinecke, Dr. Joachim Kühling und Jürgen Säckl. Fachkundige Streckenkommentare gab’s im ersten Jahr von Heinz Schönhals, dann von „der Stimme des Nürburgrings“ Jochen Luck.

Mit Campingstühlchen und Kühltaschen brachen die Menschen auf, um etwa an den Fischteichen das Renngeschehen hautnah zu verfolgen. Dort stachen NSU TTS, Fiat Abarth, Steyr Puch und Porsche 911 durch die weiten Wiesenflächen hinein in das Kurvengeschlängel im Wald.

„Die Straße, die während des Trainings und Rennens für den Verkehr gesperrt ist, hat einen flacheren unteren Teil, auf dem die schnellsten Wagen eine Geschwindigkeit von bis zu 150 km/h erreichen dürften, und windet sich im bewaldeten oberen Teil in mehr oder weniger scharfen Kurven zur Höhe, wo sich das Ziel befindet.“ Das war am 19. September 1964 in der HNA zu lesen.

Programmheft: Ankündigung für das zweite Rennen 1965.

Immer schneller wurden die Rennfahrzeuge in den Jahren bis 1969. Im unteren Abschnitt maß die Lichtschranke die Schnellsten mit über 200 Stundenkilometern. Wie etwa den Porsche 906 von Jürgen Neuhaus aus Wuppertal oder den Formel 3 des Braunschweigers Dieter Bohnhorst.

Zu flink, um die Sicherheit der Fahrer und Zuschauer weiter zu garantieren. Auch Umweltschutzaspekte spielten zunehmend eine Rolle. Der KMCK zog mit seinen Rennaktivitäten weg von Großenritte zum Flugplatz Kassel-Calden.

Viele Motorsportfans erinnern sich aber noch gern an die hochgezüchteten Motoren, die am Langenberg für Rennmusik sorgten. Im Schritttempo zum Start. Mit über 200 zum Jakobsbörnchen.

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