Fahrschulkurse für Senioren kaum gefragt

Sicher am Steuer: Wolfgang Krause vom Baunataler Fahrschulteam zeigt Britta Kraack, wie der Innenspiegel optimal eingestellt wird. Fotos: Dilling

Baunatal. Horst Dierl aus Rengershausen ist in seinem Berufsleben ein Vielfahrer gewesen. Dennoch glaubt er nicht, dass er alle Verkehrsregeln kennt, die seit seiner Autofahrerkarriere hinzugekommen sind.

"Dass man in verkehrsberuhigten Zonen nur auf gekennzeichneten Flächen parken darf, wusste ich noch nicht“, sagt er. Britta Kraack aus Kassel, die meistens die Tram und nur selten das Auto benutzt, hat nach eigenen Worten schon Situationen im dichten Verkehr erlebt, „wo man ins Grübeln kommt: Machen die anderen das falsch, oder liege ich nicht richtig“, fragt sich die 50-Jährige dann.

Kraack und Dierl gehören zu den Autofahrern, die beim Baunataler Fahrschulteam einen Auffrischungskurs „Sichere Mobilität im Alter“ belegt haben. Auch viel Ältere sind dabei, sogar ein 85-Jähriger Senior. Fahrschullehrer Wolfgang Krause stellt im theoretischen Unterricht alte und neue Verkehrsregeln gegenüber, weist auf typische Fehler hin. Kraack und Dierl sind ohnehin der Meinung, dass man mit fortschreitendem Alter noch mal die Fahrschul-Bank drücken sollte. „Spätestens mit 70, besser noch ab 60“, sagen die beiden.

Gute Sicht am Steuer wichtig: Autofahrer Waldemar Herbold aus Baunatal lässt von Carsten Frank (Wetzel-Optik, rechts) sein Sehvermögen überprüfen. Seine Erfahrung sei, dass es bei Älteren da oft Handlungsbedarf gebe, sagt Frank. Foto: Dilling

Sinnvoll wäre das schon: Im Alter lässt das Reaktionsvermögen nach, der Schulterblick fällt irgendwann schwerer, das Sehvermögen lässt bei vielen nach, körperliche Beschwerden machen so manchem Senior am Steuer zu schaffen. Dennoch scheinen solche Auffrischungskurse - zumindest was die Fahrschulen betrifft - in der Kasseler Region kein Zugpferd zu sein. Vergleichbare Angebote, wie sie das Baunataler Fahrschulteam mit einem selbst erarbeiteten Konzept erstmals anbietet, sind zumindest im Internet nicht zu finden - in Südhessen und anderen Bundesländern immerhin vereinzelt.

Ulf Warlich, Bezirksvorsitzender des Hessischen Fahrschulverbands, bestätigt das. Seminare von Fahrschulen für Ältere seien in der Vergangenheit „nicht so erfolgreich gewesen“. Lothar Töpper, der Vorsitzende des Verbandes will sich zum Thema Auffrischungskurse für Senioren nicht offiziell äußern. Da seien eher die Politiker gefragt, sagt er. Man unterstütze die Fahrschulen auf Anforderung mit Informationsmaterial, Fortbildungsseminare für Fahrlehrer zur Schulung von Senioren am Steuer biete der Verband allerdings nicht an.

Auch wenn es keiner offen sagen mag: Die Zurückhaltung von Fahrschulen dürfte auf die Einstellung vieler älterer Autofahrer zurückzuführen sein. Wer gesteht schon gern gegenüber Anderen ein, dass er trotz langjähriger Fahrpraxis Probleme im heutigen, immer dichter werdenden Verkehr hat.

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