Ulrike Jakob bald im Aufsichtsrat bei Volkswagen

Gesicht aus Baunatal ab Mai im höchsten VW-Gremium

Baunatal. Mit Ulrike Jakob hat das VW-Werk Kassel in Baunatal – und damit die ganze Region – bald wieder ein Gesicht im Aufsichtsrat des VW-Konzerns.

Seit dem Rückzug von Jürgen Stumpf in die Altersteilzeit im Jahr 2012 war das zweitgrößte deutsche Werk mit 17.000 Beschäftigten nicht mehr in dem höchsten VW-Gremium vertreten. 
Über die jüngst beschlossene Liste der IG Metall und eine gesetzliche Frauenquote von dreißig Prozent in Dax-Unternehmen ändert sich das: Die 56-Jährige aus Edermünde-Holzhausen wird ab Mai einen Platz auf der Arbeitnehmerseite des mächtigen Kontrollgremiums bei Volkswagen besetzen.

Wenn Ulrike Jakob über ihre neue Aufgabe spricht, dann verwendet sie zunächst mal augenzwinkernd Worte wie „furchterregend“ und „gruselig“. So äußert sich aber der gehörige Respekt, den sie hat vor dem Aufsichtsratsposten in einem der größten Unternehmen der Welt.

Schnell ist die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende im Werk Kassel bei den Sachthemen angelangt. Beim Abgasskandal beispielsweise. Hier ist die Sprache deutlich. Nichts mehr mit Augenzwinkern. Es gehe ihr um Aufklärung, sagt Jakob. „Das ist auch ein erklärtes Konzernziel.“ Der Aufsichtsrat habe einen Sonderausschuss zur Aufarbeitung der Manipulationen bei der Dieselsoftware gebildet. „Es wäre wichtig für mich zu klären, wie konnte es überhaupt dazu kommen“, sagt die Edermünderin. „Das hat auch was mit Führung zu tun. Man darf nicht einfach alles tun, was man auch kann.“ Vertrauen sei der Dreh- und Angelpunkt dafür, „ob Kunden wieder unsere Autos kaufen wollen“.

Immer auf dem Schirm hat Jakob die Interessen der Beschäftigten. „Die Mitarbeiter haben das nicht verbockt - in keinster Weise“, sagt sie. „Man kann von den Arbeitnehmern nicht Ehrlichkeit verlangen, wenn das nicht vorgelebt wird.“ 

Und was ist mit der vom Vorstand angekündigten Ausgliederung der Komponentenwerke – wie das in Baunatal eines ist – aus dem bisherigen VW-Gefüge? Eine Ausgliederung werde es nicht geben, betont Jakob. Das habe auch Gesamtbetriebsrat Bernd Osterloh schon so gesagt. „Ein Volkswagenwerk wird in der Komponente ein Volkswagenwerk bleiben.“ Mit Osterloh kann Jakob solche Fragen ab Mai übrigens auf dem kleinen Dienstweg besprechen, schließlich ist der Betriebsratschef ebenfalls Mitglied im VW-Aufsichtsrat.

Und was macht Ulrike Jakob in der Freizeit? „Ich nehme schon mal die Walking-Stöcke in die Hand und gehe eine Runde“, sagt die 56-Jährige zu ihren Hobbys. Und die Familie spiele eine große Rolle. Dann merkt der Gesprächspartner aber schnell: Viel Zeit bleibt nach der Betriebsratsarbeit im VW-Werk nicht. Und ab Mai – sollten die Aufsichtsratwahlen in gewohnter Weise verlaufen – wird Ulrike Jakob noch etwas weniger Freizeit haben: „Das kommt noch obendrauf“, sagt sie. „Aber das haben andere auch geschafft.“

Rubriklistenbild: © Kühling

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