Göttingen, Bad Hersfeld und Baunatal – Erinnerungen an den großen Schauspieler

George und HNA-Fotograf bei der Polizei: "Mit dem machen wir kein Foto"

Als „Revisor“ in der Baunataler Stadthalle: Götz George stand dort im Januar 1987 mit seinem Tatort-Kollegen Eberhard Feik (1943 bis 1994) auf der Bühne. Archivfoto:  Herzog

Kassel. Trauer um Götz George auch in Nordhessen und Südniedersachsen: In Göttingen wurde er ausgebildet, in Baunatal hatte er ein Erlebnis mit einem HNA-Fotografen und der Polizei.

Der am 19. Juni gestorbene Schauspieler erhielt seine entscheidende schauspielerische Ausbildung zwischen 1958 und 1963 in Göttingen. Auf den Rat seiner Mutter hin spielte er am Deutschen Theater unter der Leitung von Heinz Hilpert.

Auf der Bühne der Stiftsruine in Bad Hersfeld: Das Foto entstand während der Proben von Peter Hacks „Amphitryon“. In der Szene ist Götz George (links) mit Fritz Nydegger als Sosias zu sehen. Foto:  nh

1970 stand George dann in der Titelrolle von Peter Hacks „Amphitryon“ auf der Bühne der Stiftsruine in Bad Hersfeld. Bei Georges einzigem Festspiel-Gastspiel führte der spätere Intendant Günther Fleckenstein Regie. Mit im Ensemble waren seinerzeit Heinz Baumann, Gerlinde Locker und Volker Lechtenbrink. Zum runden Geburtstag der 20. Spielzeit gab es für die Zuschauer komfortablere neue Sitzschalen.

An einen Auftritt von George in der Baunataler Stadthalle im Jahr 1987 kann sich der frühere HNA-Fotograf Jochen Herzog (65) noch gut erinnern. Herzog und eine Volontärin hatten damals spitzgekriegt, dass George im Stadtparkhotel (heute Ambassador) abgestiegen war. Sie folgten dem Schauspieler bis zur Zimmertür. Davon sei George gar nicht begeistert gewesen, erzählt Herzog. Er habe den beiden gesagt, dass sie ihn in Ruhe lassen sollten.

So leicht ließ sich der Fotograf aber nicht abwimmeln. Er wartete eineinhalb Stunden im Foyer des Hotels, bis George wieder auftauchte. „,Das ist ja wie bei der Bild-Zeitung’, hat Götz George zu uns gesagt“, erzählt Herzog. Die Beharrlichkeit habe dem Schauspieler dennoch imponiert. Schließlich habe er zugestimmt, sich im Hotel ablichten zu lassen. Auf Wunsch von George wurde das Foto in der Küche gemacht. Er nahm dafür eine Bratpfanne in die Hand, erzählt Herzog.

Jochen Herzog

Als Herzog kurze Zeit später erneut auf George und seinen Schauspieler-Kollegen Eberhard Feik in der Stadthalle traf, ließen sich die beiden sogar dazu überreden, mit zur Polizeistation in Baunatal zu gehen, um sich dort fotografieren zu lassen. Zwar standen George und Feik in Baunatal für die russische Komödie „Revisor“ auf der Bühne, aber schließlich kannten sie alle als Tatort-Duo Schimanski und Thanner aus Duisburg.

Aus dem Foto bei der Polizei in Baunatal sollte aber nichts werden, erzählt Herzog. „Schimanski war damals ein rotes Tuch für viele Polizisten. ,Mit dem machen wir kein Foto’, hat einer der Beamten gesagt.“ George habe darauf schallend gelacht, so Herzog.

Götz George ist nach kurzer schwerer Krankheit am vorvergangenen Sonntag im Alter von 77 Jahren gestorben (ks/use)

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