Jahrzehntelanges Engagement für Radsport in Großenritte

Hans Gück erinnert sich an 70 Jahre Radsport im GSV Eintracht Baunatal

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Deutsche Vizemeister 1951: Unser Bild zeigt Hans Schnittger, Heinrich Bläsing, Karl Wunsch, Andreas Lattemann, Gottlieb Schmidt, Heinrich Fröhlich und Heinrich Siebert von der Radsportabteilung des GSV Eintracht Baunatal.

Baunatal. Das Rad stand stets neben dem Bett, „das war mein Heiligtum“. Kurz nach der Währungsreform hatte sich Hans Gück ein Fahrrad gekauft, auf Raten, ein Freund hatte gebürgt.

Rennen wollte der junge Mann fahren.

Daraus sollte ein jahrzehntelanges Engagement für den Radsport in Großenritte werden, eine von 15 Abteilungen des GSV Eintracht Baunatal. Zu den Stützen des 3000-Mitglieder-Vereins gehört Gück (85), seit 1947 Mitglied, bis heute.

Radrennen in Baunatal-Großenritte: Unser Bild zeigt Teilnehmer bei der Bezirksmeisterschaft vor zehn Jahren.

Den Rahmen des ersten Rads besitzt er noch. Mit diesem Drahtesel trainierte er auf den Großenritter Straßen, was damals hieß: Kopfsteinpflaster, unbefestigte Pisten. Gück fuhr auch tatsächlich Rennen, doch blieb für den Sport nur begrenzt Zeit. Der Lehrling musste nach der Arbeit Gras für die Ziegen der Familie holen, im Wald Holz lesen, in Haus und Garten helfen, denn der Vater war im Krieg geblieben.

Radrennen, Kunstfahren, Radball, Wanderfahrten, Volksradfahren, das alles gab und gibt es unter dem Dach der Eintracht. Ab den 50er-Jahren mehrten sich die Erfolge, allein 25 deutsche Meistertitel stehen zu Buche. 2010 feierte die Abteilung 100 Jahre Radsport in Großenritte.

Ab 1958 mischte Hans Gück federführend mit - für 22 Jahre als Abteilungsleiter. Parallel dazu engagierte sich der Klempner und Installateur ein Dutzend Jahre in der Kommunalpolitik. Seit 1975 kannten ihn dann viele als Mitarbeiter der Stadtwerke Baunatal in der Wasserversorgung.

Hans Gück

Gern erinnert sich Gück an die 34 Auflagen des jährlichen Radrennens „Rund um Baunatal“, wie es zuletzt hieß - mit Start und Ziel an der Mühle in der Elgershäuser Straße. 2004 war damit allerdings Schluss, der Verein konnte den finanziellen Aufwand nicht mehr schultern. Treffpunkt in den ganz alten Zeiten war die Gaststätte zum Bahnhof (heute Arche) mit ihrem Kino, auch Versammlungen des Vereins fanden dort statt. Gück erzählt zudem, dass der 1977 fertiggestellte Anbau an die Kulturhalle dem Zuwachs bei den Radsportlern geschuldet war: „Für alle Aktiven und Trainer ein großer Gewinn.“

Dann war da noch der Platz der Solidarität, 1963 an der Ecke Grüner Weg / Elgershäuser Straße von den Radsportlern in Eigenarbeit gebaut und nach ihrem früheren Verband benannt. Weil das verwilderte Grundstück des aufgelösten Ziegenzuchtvereins „ein Schandfleck“ geworden war, marschierte Gück mit einer Idee zu Bürgermeister Hans Wahl. Jener gab alsbald grünes Licht: „Du kannst morgen anfangen!“ Bis heute lädt der Platz, wenn auch nicht mehr unter dem damaligen Namen, zum Verweilen ein.

Aktuell hat die GSV-Radsportabteilung 150 Mitglieder, 17 Mannschaften sind im Radball und Kunstradfahren aktiv. So um die 20 alte Herren treffen sich monatlich zum Wandern. Da ist Hans Gück ebenso dabei wie jeden Dienstag, wenn die Oldies dem Training der Aktiven zuschauen, von früher erzählen und ein Bierchen trinken.

Von Rolf Wiesemann

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