Vorgänger des jetzigen Stadtoberhaupts Manfred Schaub

Heinz Grenacher wird 75 - Badisches Naturell im Baunataler Rathaus

Baunatal. Es war der Zeitraum einer Generation - 24 Jahre, bis 2005, führte Heinz Grenacher das Baunataler Rathaus und repräsentierte die Stadt. Am heutigen Freitag feiert der Ehrenbürgermeister, Vorgänger des jetzigen Stadtoberhaupts Manfred Schaub, seinen 75. Geburtstag.

Heinz Grenacher, Import aus Baden, brachte 1981 das Naturell des Südens mit, Fröhlichkeit und eine positive Lebenseinstellung, die Niederlagen kaum kennt. Also das Gegenteil der nordhessischen Mentalität, die eigene Welt überaus kritisch zu beäugen. Folgerichtig lautete die Rückschau des Bürgermeisters nach fast zweieinhalb Jahrzehnten, in denen die Stadt auf 29 000 Einwohner anwuchs: „Ich kann nicht sagen, dass ich eine Sache partout nicht mehr machen würde.“

Negatives in seiner Bilanz? Nur die Kostenexplosion beim Umbau der Schwimmbäder zum Aqua-Park vor inzwischen 26 Jahren, „das war das Einzige“, so Grenachers Fazit 2005. Statt geplanter 12,5 Millionen Mark (6,4 Mio. Euro) kostete die Chose am Ende fast 24 Mio. (12,2 Mio. Euro).

Zwei Seiten umfasst die Liste der Errungenschaften Baunatals während der Generation Grenacher. „Eine außergewöhnliche Entwicklung“, die ihresgleichen suche im Lande, so damals der Rathauschef. Angefangen mit dem Städtebau-Modellprojekt, das von 1974 bis Mitte der 90er-Jahre bald 5000 Menschen Wohnraum brachte, über Kindergärten und Sporthallen bis zu Straßenbahn, Hessentag und dem Kulturfestival Baunataler Sommer, das mittlerweile Herbstpalast heißt. Eine Fülle von Ergänzungen der Infrastruktur - vor allem dank meist üppig fließender Gewerbesteuer-Millionen von VW. Die Baunataler schätzten die einnehmende Lockerheit ihres Stadtoberhauptes - besonders, wenn es etwas zu feiern galt. Für diese Aufgeschlossenheit und Zuwendung, für seinen Charme liebt man ihn bis heute. Für seine Fähigkeit, eine ganze Gesellschaft zu unterhalten, für sein lautstarkes Lachen, den badischen Zungenschlag. Man höre ihn schon, bevor man ihn sehe, so formulierte es einst ein CDU-Politiker. Das war als Lob gemeint, nicht süffisant.

Ein strammer Parteisoldat war SPD-Mitglied Grenacher nie. Doch konnte er nicht ohne die SPD als Basis und die nicht ohne ihn, der mit seinen Sympathiewerten satte Wahlergebnisse garantierte. Er selbst zitiert am liebsten die 86 Prozent der Bürgermeisterwahl 1999. Das war, als sich keiner mehr traute, gegen den so populären Grenacher anzutreten.

Heinz Grenacher wird am Freitag 75

Hintergrund

Heinz Grenacher, 1941 im südbadischen Badenweiler geboren, war nach Jura-Studium in Freiburg und München erst als Staatsanwalt, dann als Richter in Baden-Württemberg tätig.

Danach stand er als Amtsleiter in Diensten der Stadt Gaggenau. Baunatals Parlament wählte den SPD-Mann - verheiratet, ein Sohn - 1981 erstmals zum Bürgermeister, damals gab es noch keine Direktwahl.

Seit dem Ausscheiden aus dem Amt lebt Grenacher bei Lebensgefährtin Herta Trappe in Reichensachsen (Werra-Meißner-Kreis). Es gibt bis heute diverse Kontakte in die VW-Stadt, wo Grenacher unter anderem dem Stammtisch „Baunataler Runde“ angehört, der ihm zu Ehren 2005 entstand.

Die Stadt würdigt ihren Ehrenbürgermeister heute mit einem Empfang im Hotel Scirocco in Altenbauna.

Von Rolf Wiesemann

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