Unglück in Kirchbauna

Nach Unfall mit Kipper: Experten verweisen auf Richtlinien

Heftiger Aufprall: Der Kipper prallte mit hochgestellter Ladefläche unter die Brücke bei Kirchbauna. Das Fahrerhaus schlug dadurch von unten gegen die Betonkonstruktion. Foto: Kühling

Baunatal. Wie konnte es dazu kommen? Mit aufgestellter Ladefläche seines Lkw ist in der vergangenen Woche ein 61-Jähriger aus Bad Sooden-Allendorf gegen eine Betonbrücke in Baunatal geprallt.

Der Mann wurde dabei schwer verletzt. Nach dem Unfall (HNA berichtete) stellt sich nun die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass der Mann mit dem tonnenschwere Fahrzeug mit hochstehender Kippbrücke über die Hunsrückstraße bei Kirchbauna rollte und schließlich an der Überführung der Landesstraße hängen blieb. Wir hörten uns bei Experten um.

Der Mann kam an diesem Montag mit dem Lkw der Marke MAN von einer Baustelle am Umspannwerk bei Kirchbauna unweit des Südtores von VW. Die Polizei hatte nach ersten Erkenntnissen zunächst die Erklärung ausgegeben, dass der Fahrer die bereits geschlossene Ladefläche offenbar nicht gesichert hatte. „Während der Fahrt muss dann die Kippfunktion ausgelöst worden sein, sodass sich der Kipper aufrichtete“, hieß es am Tag des Unfalles.

Grundsätzlich sei es möglich, dass ein Fahrer mit hochstehender Kippbrücke bei jeder Geschwindigkeit fahren könne, erläutert Martin Böckelmann, Sprecher von MAN in München. Schließlich komme es häufig vor, Sand oder Kies auf einer Baustelle von der Ladefläche durch Vorfahren abzuschütten.

Deshalb gebe es aber die Vorgabe in der Straßenverkehrsordnung, dass sich ein Fahrer vor Fahrtantritt von der Verkehrssicherheit seines Fahrzeuges zu überzeugen habe, sagt der MAN-Sprecher. „Der Fahrer muss auch in den Rückspiegel schauen.“ Zudem verweist Böckelmann auf eine Alarmvorrichtung, die in den Lkw von MAN eingebaut sei. Im Display erscheinen das Symbol „Stopp“ und die Anzeige „Kipperbetrieb“ als Text, erläutert der Sprecher. „Ein rot leuchtendes Symbol und die zentrale Warnleuchte (rot blinkend) signalisieren im Kontrollleuchtenfeld, dass die Kippbrücke in Betrieb ist.“

„Im Sichtfeld“ 

Dass solche Warnsignale vorgeschrieben sind, bestätigt auch Uwe Herrmann, Leiter der Technischen Prüfstelle beim TÜV Hessen in Darmstadt. Eine Richtlinie der Berufsgenossenschaft besage, dass eine Warnvorrichtung im Sichtfeld des Fahrers sein müsse. Auch Herrmann verweist darauf, dass grundsätzlich wegen des Baustellenbetriebs das Kippen auch während der Fahrt möglich sein müsse.

Der Experte vom TÜV erklärt aber noch einen anderen technischen Sachverhalt. Zum Betätigen der Hydraulik für die Kippvorrichtung müsse der sogenannte „Nebenbetrieb“ zugeschaltet sein. Wenn man diesen vergesse abzuschalten, „dann hört man die Pumpe bei schnellerer Fahrt“.

Herrmann und Böckelmann verweisen allerdings darauf, dass man natürlich den Unfall-Lkw genau technisch untersuchen müsse, um die Ursache festzustellen.

Die Polizei will aktuell keine weiteren Angaben zu dem Unfall bei Baunatal machen. Ein Gutachter der Dekra untersuche die Sache, sagt Polizeisprecher Torsten Werner auf Anfrage. Ohne das Ergebnis mache es auch keinen Sinn, dem Lkw-Fahrer Vorhaltungen zu machen, sagt der Sprecher. Unabhängig von weiteren Untersuchungen äußert MAN-Sprecher Martin Böckelmann dann noch einen Wunsch: Er hoffe, dass der 61-jährige Fahrer nicht so schwer verletzt sei und Weihnachten wieder zu Hause verbringen könne.

 

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