Kran-Riese an A44 bei Baunatal in Aktion

Baunatal. Spezialfahrzeug setzt 60 Tonnen schwere Brückensegmente ab - Zentimeterarbeit für den Kranführer

Nur eine kleine Handbewegung am Steuerjoystick, und schon setzt Kranführer Kurt Witteborn Massen von Material in Bewegung. Am Haken hat er das erste von insgesamt acht 60 Tonnen schweren Brückensegmenten, die er heute von Tiefladern herunter und rüber auf die Widerlager der neuen A44-Brücke über der Gleistrasse der Naumburger Kleinbahn heben muss.

Alles geht sehr langsam, wie eine überdimensionale Fischgräte hängt das 28 Meter lange Betonsegment im Himmel. Das Wetter ist gut, kein Lüftchen regt sich. Doch Witteborn ist voll bei der Sache. Der Motor seines 700-Tonnen-Krans mit 60-Meter-Ausleger läuft auch Hochtouren.

„Nichts ist hier Routine“, sagt er. Mit kleinsten Handbewegungen senkt er das Brückensegment zentimetergenau auf die neu gebauten Widerlager der A44-Brücke ab.

Acht Stunden lang wird Witteborn noch zu tun haben. Hessen Mobil zahlt viel Geld dafür. Die Tagesmiete für solch einen mobilen Großkran verschlingt einen fünfstelligen Betrag. Schon am Mittwoch war das Fahrzeug oben auf der Autobahnpiste direkt neben dem Brückenneubau aufgestellt worden. Insgesamt fünf Tieflader schafften Gegengewichte und weitere Kranteile heran. Und damit das Schwergewicht nicht gleich absackt und dabei die neu gebauten Widerlager runter auf die Gleistrasse drückt, mussten zuvor noch extra Beton-Fundamente für den Kran gegossen werden.

Doch erlaubt dieser Aufwand ein maximal zügiges Bauen von kleineren Autobahnbrücken. Für Christoph Braun, Bauleiter von Hessen Mobil, ist denn auch die Baustelle an der A44 keine große Sache. „Da gibt es ganz andere Vorhaben“, sagt er.

Wenn alle acht Brückensegmente liegen, werden alle Teile noch einmal mit Beton vergossen, so dass schließlich ein einziger 15 Meter breiter und 28 Meter langer Brückenbogen entsteht. „Er wird später locker 120 Tonnen tragen“, sagt Braun. Das muss er auch, denn wenn Stau ist, stehen 40-Tonnen-Lkw schon mal dicht an dicht.

A44 bei Baunatal: 700-Tonnen-Kran bei Brückenbau im Einsatz

Erstaunlich Dabei: Die Brücke selbst wiegt schon 650 Tonnen. „Tatsächlich müssen Stahlbeton-Brücken sich zunächst ein gutes Stück selbst tragen, bevor sie noch etwas anderes tragen“, sagt Braun. Effizient ist das nicht, „aber das liege einfach an den Materialien Stahl und Beton“, sagt Braun, „und die sind eben billig zu haben“.

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