Ausgleich über Arbeitszeitkonten reicht nicht aus

Betriebsrat: Kurzarbeit im Baunataler VW-Werk jetzt wahrscheinlich

Kassel/Baunatal. Mitarbeiter in der Getriebeproduktion im VW-Werk Kassel in Baunatal müssen sich auf Kurzarbeit einstellen.

„Wir kommen sehr wahrscheinlich um Kurzarbeit nicht herum“, sagte am Freitag die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ulrike Jakob auf Anfrage. Wann Kurzarbeit für die Mitarbeiter in Baunatal bei der Arbeitsagentur beantragt wird, ist nach Angaben des Betriebsrates noch nicht ganz klar. Zunächst müssten viele rechtliche Dinge geklärt werden, so Jakob. Man rücke aber mit dem heutigen Tag diesem Schritt näher. „Wir müssen uns zunehmend darauf einstellen.“ Der Ausgleich über die herkömmlichen Arbeitszeitkonten reiche nicht mehr aus. Darauf hatte der Betriebsrat am Donnerstag noch gehofft.

Zuletzt aktualisiert um 15.30 Uhr. 

Diese Tendenz bestätigt auch Werksprecher Heiko Hillwig. „Noch ist Kurzarbeit aber nicht beantragt“, sagt er. Mit Blick auf den Rechtsstreit zwischen Volkswagen und dem Zulieferer ES Guss in Schönheide in Sachsen könne er nicht mehr zur Situation im Werk sagen, so Hillwig

Hintergrund für Engpässe am Standort ist das Ausbleiben von Teilelieferungen durch den Zulieferer. Die Produktion für das Direktschaltgetriebe DQ 250 liegt dadurch vollständig auf dem Trockenen.

Nach Informationen unserer Zeitung werden von dem Getriebe DQ 250 in Baunatal über 2000 Stück am Tag gebaut. Etwa 800 Mitarbeiter sind in diesem Bereich tätig. Zwischen 16 000 und 17 000 Schalteinheiten verlassen täglich das Werk. Insgesamt arbeiten 6000 Frauen und Männer an dem nordhessischen Standort im Getriebebau.

Wie kann es bei einem so großen Autobauer zu einer solchen Blockade kommen? Wie groß ist eigentlich die Abhängigkeit im VW-Werk Kassel in Baunatal von Zulieferfirmen? „In der Regel greift das Werk bei der Belieferung von Teilen auf zwei Zulieferer zurück“, erläutert ein langjähriger Mitarbeiter im Gespräch mit unserer Zeitung. Es könne ja auch sein, dass eine Zulieferfirma durch einen Brand gestoppt wird. Dann habe man noch ein zweites Standbein. „Zwei ist ideal“, sagt der Mann. Der langjährige Mitarbeiter vermutet, dass man sich bei dem von ES Guss gelieferten Getriebeteil ganz einfach auf den Zulieferer verlassen hatte oder dass man keine zweite Firma gefunden hatte, die die Teile produziert.

Wie aus dem Werk zu hören ist, ist neben dem Getriebebau auch die Abgasanlagenfertigung und die Warmumformung betroffen. Grund: Der Zulieferer Car Trim liefert keine Sitzbezüge mehr ins Passat-Werk Emden. Dort stockt die Produktion, Teile aus Kassel werden nicht gebraucht.

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