Landwirtschaftliche Woche in Baunatal: Bauern fürchten Ertragseinbußen

Pflanzenschutz- und Ackerbauexperten im Gespräch: Dr. Ruben Gödecke vom Pflanzenschutzdienst Hessen (von links) referierte über Pflanzenschutzprobleme beim Weizenanbau. Christian Deisenroth aus Nordrhein-Westfalen sprach über Düngemittel und das sogenannte Greening. Dr. Axel Schreiber eröffnete den dritten Tag der Landwirtschaftlichen Woche. Foto: Dilling

Baunatal. Landwirte, die darauf angewiesen sind, die Gülle ihrer Viehbestände auf den Äckern auszubringen, könnten schon bald ein Problem bekommen.

Ebenso die besonders ertragsstarken Bauern: Die geplante Düngemittelverordnung, die gerade bei der EU-Kommission in Brüssel zur Kontrolle vorliege, bereite auch nordhessischen Landwirten viel Kopfzerbrechen, weil sie die Ausbringung von Düngemitteln auf die Felder nach Ansicht vieler Bauern zu stark begrenze, sagt Dr. Axel Schreiber (Bad Hersfeld), Vorstandsmitglied des Saatbauverbands West. Er eröffnete gestern mit Andreas Sandhäger vom Kasseler Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen die dritte Etappe der Landwirtschaftlichen Woche des Hessischen Bauernverbands in der Baunataler Stadthalle.

An diesem dritten Tag ging es unter anderem um den zunehmenden Druck, dem Landwirte ausgesetzt sind, einerseits existenzsichernde Erträge zu erwirtschaften und anderseits den Forderungen des Natur- und Umweltschutzes gerecht zu werden. Angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung müssten Agrarflächen geschützt werden, sagte Dr. Günter Lißmann, Dezernatsleiter beim Regierungspräsidium Kassel, in einem Vortrag.

In dieser Situation gebe die geplante Düngeverordnung das falsche Signal, meint Schreiber: „Die Ernteerträge werden heruntergefahren.“ Das hätten die Erfahrungen in Dänemark gezeigt, wo seit Ende der 1990er-Jahre eine ähnliche Verordnung gelte. Durch die Deckelung des erlaubten Stickstoffs im Dünger würden vor allem Landwirte mit guten Böden und Erträgen Einbrüche erleiden. Daraus entstehe ein Teufelskreis, weil sinkende Erträge zu weiteren Kürzungen beim Düngemitteleinsatz führten.

Christian Deisenroth, Referent in Baunatal und Pflanzenbauberater bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, sieht das ähnlich. Vor allem Betriebe mit intensiver Viehhaltung bekämen Probleme, ihre Gülle loszuwerden. „Vielleicht kommt es so weit, dass sie auf der A 44 mal bis Kassel transportiert wird“, sagte er sarkastisch gegenüber der HNA. Das Aufbringen von Gülle auf die Felder sei durchaus vertretbar, wenn diese nur groß genug seien.

Die Landwirtschaftliche Woche in Baunatal geht heute mit einer Fachtagung für Gartenbau zu Ende. Dabei geht es um die Gestaltung insektenfreundlicher Gärten, Unkrautbekämpfung im Rasen und die fachgerechte Anlage von Fertigrasen.

Von Peter Dilling

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